Ich lasse mich nicht kaputt machen




Ich überlege, wann es anfing,
dass ich weglaufen wollte,
weil mein Vater uns schlug
vor allem meinen Bruder.
Ich versteckte mich damals unter der Bettdecke, um
das Geschrei und das Heulen nicht zu
hören.
Ich zitterte vor Angst.
Am nächsten Tag ging ganz normal die Sonne auf,
als wäre nichts passiert.
Auch ich wurde verdroschen.
Zwei oder dreimal.
So richtig, dass ich nicht mehr sitzen konnte.
Mein Vater zerschmetterte in seinem Jähzorn
ein Holzschiff, dass ich gebaut hatte,
und das letzte Mal schlug er mich, als ich
bereits Dreizehn war und
einen Gipsarm hatte …
mich nicht wehren konnte.
Ich wollte weglaufen – aber wohin?
Meine Mutter war nervenkrank.
Sie konnte nicht helfen.
Sie heulte tagelang.
Sie schrie.
Ich überlege, was mich zu dem Menschen machte,
der ich heute bin.
Mein Vater saß am Wochenende am Bett meiner Mutter,
und als er zur Arbeit musste,
verlangte er von mir, dass ich mich neben sie lege.
Ich glaube, meine Mutter weiß von alledem
nichts mehr.
Ich wollte damals nur noch weglaufen.
Noch heute will ich weglaufen.
Es ist nicht vorbei.

Ich brauchte viele Jahre, um meinem Vater zu verzeihen.
Lange Zeit konnte ich meine Mutter nicht
mehr in den Arm nehmen.
Und nun kehrt alles wieder zurück.
Ich wehre mich dagegen, so gut ich kann,
selbst wenn mich die Gesellschaft als schlechten Sohn
abqualifizieren sollte.

Ich fällte vor vielen Jahren meine Entscheidung:

Ich laufe davon.


Sturznest - 03.11.2012 18:31

Das ist ein tolles Gedicht, das markiere ich, kopiere es und füge es in meinem sehr stillen Blog ein

bonanzaMARGOT - 03.11.2012 18:36

tolles gedicht - na ja.
aber schön, dass es bei dir ankam, sturznest.
LadylikeKandis - 03.11.2012 21:58

so leben wir alle in unserer vergangenheit, bon...schön, dass du endlich mal was rausschreist!

bonanzaMARGOT - 03.11.2012 22:03

lady

schreie ich sonst nichts heraus?
LadylikeKandis - 03.11.2012 22:30

schon, aber nicht so autentisch.
bonanzaMARGOT - 03.11.2012 23:07

hmmm, geschmackssache.
aber du hast recht, heute bin ich sehr authentisch.
Casy (Gast) - 05.11.2012 12:57

Gedicht oder von der Seele schreiben

Ich empfinde es auch nicht als Gedicht, es ist eine Erfahrung, geteilt und niedergeschrieben.

Zusammenraffung eines ganzen Lebens in wenigen Zeilen. Dies wieder ist der Punkt. Das muss man erst mal so können. Ich hätte dazu sicherlich mehr Worte benötigt. Du schaffst es Dinge auf den Punkt zu bringen Bon... schaffst es tiefen Einblick zu geben und die Emotion zu transportieren mit wenigen Zeilen.
bonanzaMARGOT - 07.11.2012 19:02

Du hast recht, Casy. Ich schrieb es nicht als Gedicht. Aber ich sehe das nicht so eng. Die Grenzen sind fließend.
Ich war noch nie ein Autor, der sich mit "Formalitäten" gerne aufhält.
Casy (Gast) - 05.11.2012 01:22

Freude teilen

Ich habe ein Schreiben erhalten.
Frankfurter Bibliothek - Wiener Staatsbibliothek - Schweizer Nationalbibliothek - Französische Nationalbibliothek und National Libary of Congress Washington... und weitere.... haben ein Gedicht von mir für die "Bibliothek der literarischen Kultur zeitgenössischer Gedichte" aufgenommen und es wird im Advent bei den anderen Großen Werken erscheinen.

So der Text im Brief an mich... Ich freue mich darüber sehr. :D :D :D

Wollte es einfach nur mit Euch teilen. :D

bonanzaMARGOT - 05.11.2012 06:52

freut mich sehr für dich, casy!
(und danke für das gedicht.)
da bist du nun eine literarische berühmtheit (grins).
Casy (Gast) - 05.11.2012 12:37

:D

naja, sicher nicht so ganz,lach

aber ein schönes Gefühl, wenn etwas anklang fand und man weiß, dass es zumindest viele wohl im Laufe der Jahre lesen werden. Du als Schreiber, weißt sicherlich, was es für ein Gefühl ist. Du hättest sicher weit aus mehr Erfolg als ich, doch leider hast Du Dich bei sowas nicht beworben. Solltest es aber !!!
bonanzaMARGOT - 19.11.2012 09:26

etwas anerkennung - von wem auch immer - tut immer gut!
Casy (Gast) - 24.11.2012 19:22

Wunschlösungen

gibt es sowieso keine, für niemanden.

Jeder Wunsch ist eine abstrakte Sache, den Ausgang kann man nie abschätzen.

Nicht umsonst gibt es zur Fee mit den 3 Wünschen so viele Witze... jeder Wunsch ist in der Realität anders als erdacht.

Man kann nur das Beste versuchen daraus zu machen.

Und vor allem, versuchen "wunschlos" zu werden. Was nicht bedeutet, seine Träume aufzugeben oder zu verfolgen und umzusetzen, so gut man es kann.

Ich wünsche mir Morgen 10 Grad mehr als heute :D, nicht weil ich den Winter nicht mag, aber ich mag nicht diese hohen Heizkosten... Lach...
bonanzaMARGOT - 25.11.2012 07:03

... und ich wünsche mir, dass dieser winter schnell vorbei ist.
Casy (Gast) - 05.11.2012 12:51

Davon schreiben....

ja, manchmal hilft nur davon laufen... doch immer wieder steht es dann vor einem !!! Manche Dinge laufen schneller, als wir es könnten. Vergangenheit ist uns oft einen Schritt voraus.

Doch mit dem Text, hast Du Dich gestellt, nicht davon gelaufen. Gut so !! Ich habe mir oft Dinge, die schwer zu verarbeiten sind von der Seele geschrieben. Seitenweise - Seitenweise - und immer wieder ergänzt....hätte Bücher füllen können... irgendwann dann durchgelesen.. und wieder gelesen nach Jahren... irgendwann war dann der Punkt, wo mir der eigene Text fremd war... der innerliche Bezug endlich weg. Abrechnen innerlich ... befreit.

Vor allem wenn Aussprachen mit Personen ins leere laufen und es einen dennoch immer wieder innerlich vorauseilt.

bonanzaMARGOT - 19.11.2012 09:24

hi casy

für manches im leben gibt es keine wunschlösungen, und man muss es nehmen, wie`s kommt. dazu gehören das alter und die gesundheit aber oft auch familiäre geschichten und beziehungskonflikte. nicht alles ist zu bereinigen, wieder gut zu machen oder irgendwie zu ändern.

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... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...

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