besuch der dritten art (eine story vor braskos geburt)




es war ein abend nach einem tag mit zwei leeren
sixpacks. bald war nikolaustag. in der weihnachts-
zeit verirrte ich mich wie gewöhnlich im nebel
alkoholischer rauschzustände. uschi schloß sich
in ihrem zimmer ein, weil sie angst hatte, dass ich
auf sie losging. gründe hatte ich genug. ich bekam
hunger und immer weniger lust, auf tour zu gehen.
das würde meine erste ins haus gelieferte pizza
werden.

die tintenfischpizza schmeckte, als wäre sie schon
ein Dutzend Mal aufgewärmt, der salat hatte kein
dressing und war eingefallen, und ich drückte dem
pakistani zwei mark trinkgeld in die hand.
also gut, ich aß die hälfte, dann machte ich, dass
das zeug aus meinem gesichtsfeld verschwand.
„mal wieder ein lapsus“, pflegte mein freund bei
solchen gelegenheiten zu sagen. ich hörte den
ganzen tag radio, damit die stille in meinem zimmer
mich nicht in den würgegriff nahm. und ich hörte,
wie uschi von außen abschloß und von innen
abschloß und wieder von außen ... und irgendwas
im hausflur hin und her räumte. die radiokommenta-
toren hatten beruhigende stimmen. sie diskutierten
im radio über allerlei dinge: technikmessen, träume,
tierversuche, teesorten, torfrock, tagesessen, tafel-
runden, türsteher ..., um nur einiges zu nennen,
was mit „t“ anfängt.

die anzeige meines hifi-turms digitalisierte
19 uhr 19, und ich lag bereits in der kiste – uaaaaaah!
als es plötzlich an meine terassentür klopfte. ein
zweifach dezentes toc-toc. ich erwartete niemanden,
nur meinen ganz persönlichen tod. draußen im dunkel
zeichnete sich ein kleines männchen ab mit einem
wasserkopf. ich entriegelte, und die merkwürdige
person trat ein. „tag“, sagte sie schlicht, und hinten-
drein sprang dasselbe in grün aus dem dunkel in
meine bude. „tag“, sagte auch sie. die zwei reichten
mir gerade bis zur brust. ich hatte geahnt, dass so was
mal kommen würde. ich schloß die tür.
„du hast mit uns gerechnet“, sagte das nackte, grüne
männchen rechts von mir. ich konnte deutlich ihre
geschlechter erkennen. die andere person war wie-
blich. sie hatten riesige köpfe und riesige geschlechts-
teile.
„ja“, sagte ich, „ ich glaube schon. ich vermute schon
lange, dass wir nur versuchskaninchen sind. ich habs
gespürt.“
„du bist präpariert“, sagte der grüne kerl.
„aha“, sagte ich, „und jetzt?“
die beiden standen unter meiner vierzigwatt
deckenlampe, und ich stand im alkoholnebel.
in der nachbarschaft bellte ein hund. so was prägt
sich ein.

„du wirst ihr neuer könig, gott, messias, heilsbringer,
buddha ...“
während die beiden grünen besucher abwechselnd
noch einige bezeichnungen heiliger und mächtiger
figuren unserer menschheitsgeschichte dranhängten,
setzte ich mich auf die couch und reflektierte kurz
mein verkorkstes leben.
„ihr seid verrückt“, sagte ich, „ ihr startet also eine
neue versuchsreihe und wollt mich als köder –
sie werden mich zerfleischen!“
„wir holen dich rechtzeitig raus. du bist präpariert.“
„so rechtzeitig wie euren jesus vor zweitausend
jahren?“
„wir holten ihn. er war auch präpariert.“
„toll, ich habe wohl keine wahl, so präpariert wie
ich bereits bin.“
„hmmm“, summten die beiden eintönig.
ich hörte, wie uschi ihre zimmertür aufschloß, von
außen wieder zuschloß. die eingangstür fiel krachend
hinter ihr zu. uschi war ich also los, aber dieses grüne
pärchen stand in meinen vier wänden, und ich hatte
das gefühl, dass es wenig sinn machte, sie wegzu-
schicken.
„hmmm“, summten die beiden bekräftigend.
„na denn, dann machts euch mal gemütlich. ich hab
nichts weiter vor heute abend. ich hol uns was zu
trinken.“ ich stand auf, wankte zum kühlschrank
und holte ein neues six-pack hervor. die beiden
hatten sich gesetzt. der pimmel von dem kerl
hatte im schlaffen zustand den umfang einer
coladose und reichte fast zum boden. der typ
besaß damit ein drittes standbein. die partnerin
war, wenn man von den zierlichen gliedmaßen
und dem riesenhaften schädel absah, ganz vagina,
ganz votze, muschi, möse ...
mir lief das wasser im munde zusammen, und
gleichzeitig jagte es mir warme und kalte schauer
das rückenmark hinunter: das ganze in grün und
völlig haarlos!

ich stellte drei flaschen auf den tisch und köpfte
sie. dann nahm ich einen langen zug und betrachtete
sie aus dem augenwinkel. im hintergrund lief noch
dezent das radio.
„gut“, sagte ich, „was war mit malcom x, luther king,
kennedy, gandhi?“
„die waren nicht präpariert“, antworteten sie, „jeden-
falls nicht rechtzeitig. oder anders ausgedrückt: die
liefen unter einer anderen testreihe mit sehr unter-
schiedlichen zielvorgaben.“
„gratuliere“, sagte ich, „ das hätte ein politiker kaum
besser formulieren können.“
„wir holen dich, wenn es an der zeit ist. auf dem mars
haben wir ein labor eingerichtet. wenn es dich beruhigt:
unsere tierversuche, äh, menschversuche sind absolut
schmerzfrei.“
der typ mit dem riesenpimmel nahm einen langen zug
aus der flasche und ergänzte: „ums kurz zu machen,
für dich wird es der garten eden sein, himmel auf
erden, mein lieber. und an angenehmer gesellschaft
wird es dir auch nicht fehlen.“ er wechselte einen
vielsagenden blick mit seiner partnerin, und beide
gaben schnarrende geräusche von sich. eins stand
fest, sie hatten durst. ich stellte zwei neue bier vor
sie und nahm selbst das letzte aus dem pack.
„na denn, prost“, sagte ich, „auf den lieben gott,
auf die tierversuche und auf euch.“
im radio brachten sie jetzt was von der deutschen
wiedervereinigung. charles bukowski war tot,
frank zappa war noch länger tot, willy brandt noch
länger und so weiter und so fort. wir bewegten uns
zügig auf die zweite jahrtausendwende zu, und ich
sollte für die grünen männchen den messias spielen.
meine grünen besucher kümmerten sich inzwischen
nicht weiter um mich. sie diskutierten miteinander,
gestikulierten wild mit ihren streichholzarmen und
und gaben schauerliche geräusche von sich – nicht
gar zu laut – als würde meine nachbarin uschi ihre
gardinen in fetzen rupfen. eigentlich hatte ich eine
menge fragen im kopf, aber meine neugierde ist
unterernährt. so glotzte ich nur trunken auf die
grünen riesenschädel.

ich wachte zusammengesunken am tisch auf.
im radio lief das nachtprogramm: seichte schlager-
musik. das zimmer war kalt. die terassentür stand
offen. keine spur von meinen abendlichen besuchern.
„verteufelt“, dachte ich, rieb mir die augen und lief
zum waschbecken. sie hatten mir tatsächlich einen
heiligenschein hingezaubert! sie hatten mich gekriegt!
es war vollbracht.
that`s life, im dunkeln holte ich mir einen runter,
dachte dabei an uschi und an einen riesigen, grünen
pimmel, der in einer untertasse zwischen mars und
nirgendwo eine haarlose, grüne möse fickte.



(1996)

Ero (Gast) - 02.04.2007 20:51

hehe ^^' also ich hab mir das durchgelesen und finde das irgendwie witzig nur keine Ahnung auf welche Weissen. Aber der Text gefält mir genau so gut wie all die Anderen =)

bonanzaMARGOT - 27.08.2007 14:15

wiedergelesen ...

mir geht`s wie dir, ero.

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... die Nacht ist gut für die Tinte, der Tag druckt die Seiten ...

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