Die Poetentankstelle


(Alte Schluuch)




Vergeblich suche ich die Leichtigkeit
finde etwas Zerstreuung beim Blättern durch die Lyrik
von Nazim Hikmet
weihnachtliche Illumination vor der Kneipentür
die Nacht hat sich den Tag gepackt
ich sitze auf einer verwetzten Holzbank
das Bier griffbereit vor mir
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
unserer leeren Köpfe
zu gegebener Zeit
an dem opulenten Arsch der Bedienung kommen meine
Blicke nicht vorbei
ihre Augen sind ständig entzündet, und ihr lächelnder Mund
wie eine Mondsichel -
die Kneipe ein kurzer Schlauch
Geborgenheit

Vergeblich suche ich die Leichtigkeit
Gedanken huschen wie lästige Fruchtfliegen vor meinem
Geist
die Reise vom Heute in das Morgen
ist Unruhe
bin ich der Gast, der auf der verwetzten Holzbank sitzt
das Bierglas ansetzend
die Lyrik von Nazim Hikmet vor Augen
wie den opulenten Arsch der Bedienung?
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
unserer leeren Köpfe
zu gegebener Zeit
die fremden Menschen rücken in mein Gefühl
als wären sie Kunstwerke einer liebevoll arrangierten
Ausstellung
Öllampen brennen auf den Kneipentischen
der freie Bauchnabel einer Frau, die sich streckt
die Mutter hebt das Baby aus dem Kinderwagen
und wiegt es an ihrer Brust
das kleine Wesen fasst sich einen Finger
unsere Augen leuchten

Die Nacht, die den Tag geholt hat
die Kälte der illuminierten Stadt im Winter
vergeblich suche ich die Leichtigkeit
ich leide unter einem chronischen Katarrh der Seele
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
meines leeren Kopfes
zu gegebener Zeit




18.12.2005 15:13 von bonanza

auf http://bonanzamargot.podspot.de/ hörbar

Poetentankstelle




Von Meral Vurgun ins Türkische übersetzt:


Şiir Deposu

(Alte Schluuch)



boşuna bir kolaylık arıyorum
dağılmalar buluyorum biraz
çevirirken Nazım Hikmet’in lirik sayfalarını
meyhane kapısında Noel donanımları
gece katlamış kendini güne
oturuyorum bilinmeyen bir ahşap bank üstünde
bira kavranmaya hazır, duruyor önümde
olsaydı keşke bir şiir deposu
dolması için boş kafalarımızın
uygun bir zaman
bakışlarım ayrılmıyor servis kadının dolgun kıçından
gözleri temelli yanmış, gülümseyen ağzı
ayça gibi
meyhane kısa bir hortum
selamet

boşuna kolaylık arıyorum
düşünceler sessiz ve tedirgin meyve sinekleri gibi
geçiyor ruhumun önünden
yolculuk bu günden yarına
huzursuzluktur
bilinmeyen ahşap bir bankta oturan
bira bardağına hazırlanan bir misafirim
Nazım Hikmet lirikleri gözler önünde
garson kadının dolgun kalçası gibi mi?
olsaydı bir şiir deposu keşke dolması için
boş kafalarımızın
uygun bir zaman
yabancı insanlar dokunuyor duygularıma
sanki bir sanat eseriymiş gibi şefkatle düzenlenmiş
bir serginin
meyhane masalarında gaz lambaları yanıyor
kendini kasan bir kadının boş göbeği
anne bebeğini alıyor pusetinden
göğsünde sallıyor
küçük yaratık yakalıyor bir parmağını
ışıldıyor gözlerimiz

gece günü getirdiğinde
donatılmış şehrin soğuk kışında
boşuna bir kolaylık arıyorum
kronik bir dumağı altında inliyor ruhum
olsaydı bir şiir deposu dolması için
boş kafamın
uygun bir zaman




schreiben wie atmen - 04.09.2007 18:07

Wo???

"gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
meines leeren Kopfes
zu gegebener Zeit"

Passt voll in den Tag! Leerer Kopf heute, leegeregnet, leergestürmt, leergeschwätzt. Nun sitze ich vor meinem Text und weiß nicht weiter. Blogger halt mal so rum und stolper über Deinen Wunsch.
Poetentankstelle! Schön wäre es. Aber da ist noch der Wald. Der Wald - da geh ich jetzt eine Weile hin. Vielleicht dass sich da ein Baum bereit findet... ?
Bis nachher dann mal.

Auf dem Weg zur Tankstelle grüßt

Angela

bonanzaMARGOT - 04.09.2007 18:16

bäume

sind ganz gute zapfsäulen für trost und inneren frieden.
viel freude beim spaziergang.

gruß
bon.
libidopter - 11.11.2007 01:39

Ich würde gerne einmal eines Deiner hübschen Gedichte übersetzen

und hier auf den Philippinen unter ein paar ausgewählten Personen per SMS herumreichen, wie ich das des öfteren tue. Damit die Leute sich hier ein Bild davon machen können, daß die Menschen außerhalb ihres eigenen Landes und von Asien, zumindest im tiefsten Grunde, auch nicht viel anders sind als sie selber. Und vor allem, daß die Menschen in den Ländern der sogenannten Ersten Welt auch für ihr Überleben zu kämpfen haben. Zumindest es nicht so leicht haben wie die skrupellosen Bullen vom Rauschgiftdezernat hier, die mich und einen indischen Freund von mir aus Singapur, der auch hier lebt, unlängst durch einen stadtbekannten Drogendealer durch dessen aufdringlich beständiges SMS-Texten an jenem Tage in eine Falle locken ließen (um angeblich ein Mädel kennenzulernen, das eben erst aus Japan heimgekehrt sei) und für fast eine Woche in den Knast warfen, nur um von uns für die Freilassung Geld zu erpressen (anhand nur von einem angeblich positiv ausgefallenen Drogen-Urin-Test, den ich nur bereit war, machen zu lassen, da mir einer von den Schweinen einen solchen Schlag verpasst hatte, daß ich in die Ecke flog, und am Ellbogen blutete), und so weiter...

bonanzaMARGOT - 11.11.2007 10:14

selbstverständlich libidopter

ich habe großen respekt vor den schwierigkeiten der menschen überall auf der welt. es ist zum kotzen, dass man stetig gegen diskriminierungen und ungerechtigkeiten kämpfen muss, dass es immer menschen gibt, die ihre macht mißbrauchen.

du hast schon ein gedicht im blick? ich würde mich sehr freuen (auch über die übersetzung).

lieben gruß
bon.
AmarettazuBlaue - 15.11.2007 17:24

Kneipennamen

Hi bon schön erzählt, mit einem melancholischen Touch.
Zum alten Schluuch heißt was?? Zum alten Schluck vielleicht?
Ich wohne in der Nähe vom" zum stillen Untergang", die Bezeichnung find ich auch sehr poetisch und doppeldeutig, die Kneipe liegt an einem Kanal.
Gruß von Amaretta

bonanzaMARGOT - 15.11.2007 19:35

ne

"schluuch" kommt in dem falle von schlauch. die kneipe ist schmal wie ein schlauch.

lieben gruß
bon.
@miro (Gast) - 18.11.2007 18:41

Respekt!

Dank „Vernetzung“ fand ich mich auch in deiner Lyrik - mit Vergnügen...
und komme sicher wieder...

LG
@miro

bonanzaMARGOT - 19.11.2007 09:32

immer willkommen

bon.
lylo - 21.11.2007 23:53

ja hallo!

was seh ich? miro!
ich glaube, ich weiß, aus wessen netz du kommst ;-)
schönen abend euch beiden!
lylo - 21.11.2007 23:55

ach ja

ich wollte ja was zu dem gedicht schreiben.

die nacht hat sich den tag gepackt

schon wieder so eine zeile, die mich grün im gesicht werden lässt
vor neid und ärger, weil sie nicht MIR eingefallen ist.
bonanzaMARGOT - 22.11.2007 19:22

"aus wessen netz du kommst"?

hi lylo, manchmal bin ich auch neidisch auf dichterkollegen/-kolleginnen, vorallem wenn sie es schaffen, sich mit ihrer lyrik/prosa durchzusetzen. der einsame erfolglose dichter ist nichtsdestotrotz eitel.
ab und zu dope ich mich mit einem glas wein.

bon.
lylo - 23.11.2007 01:09

glas wein

aha. immer ein guter tipp. du meinst, es hilft auch gegen neidgrüngesichtigkeit?
und ach, erfolg! kann man nicht trinken ...

und "die eitelkeit ist ein hund" sagt man bei uns im burgenland.
also ein wuff von meinem hund an deinen.
@miro (Gast) - 23.11.2007 19:06

entweder - oder

man trifft sich
laut erfahrungen
mit liebe
begrüßt sich
herzlich

und versinkt
wenn der wind
darüber geht

..............
...@miro

kate (Gast) - 23.11.2007 21:14

alte schluuch

ist das in basel?? oder wo gibts noch einen schluuch?

bonanzaMARGOT - 24.11.2007 15:50

basel

in den letzten zwei jahren komme ich regelmäßig nach basel. als passionierter kneipengänger musste ich mir dort ein paar wirtschaften aufreissen, darunter der "alte schluuch" in kleinbasel.
Chutzpe - 02.08.2011 01:41

Mini Frog esch beantwortet.

Cardinal gets jo schliesslech ehner ned em Osland.
bonanzaMARGOT - 02.08.2011 07:01

jo. cardinal trinke ich in basel am liebsten. der alte schluuch hat inzwischen eine andere biermarke, aber im milchhüsli kriege ich`s. prost, chutzpe.
undercover lyrik (Gast) - 13.02.2008 20:23

Eigentlich wollte ich nur einen Besucher besuchen.
Dann ging ich von dort auf Reisen zu einem Kommentator des Besuchers und landete im alten Schluuch ....
Schön ist es hier und auch nicht verwunderlich, dass lylo auch schon hier war. Eigentlich hätte sie mich ja gleich mitnehmen können ....
Liebe Grüße

bonanzaMARGOT - 14.02.2008 17:02

schönen dank

für deinen besuch, undercover lyrik.
schreibnetz - 25.07.2008 18:00

Eine sehr gute Idee von Bonamarg!

Transliteration in türkische Sprache!

Da ich mich nun neuerdings entschlossen habe, lediglich über Literatur zu reden, ist es gegeben - auch dich in diesem Rahmen aufzunehmen.

Ich schaue zu. Ich beobachte was du da machst. Ich bin der Meinung: Du bist mutig. Das ist gut.

Dedidl*
Lasse
_______________
*Dedidl: Ein seit Jahren von mir verwendetes Kürzel (u.U. auch in einigen Suchmaschinen zu finden) sagt: Dein dich doch liebender!

bonanzaMARGOT - 25.07.2008 23:59

ich schreibe, lasse,

ansonsten bin ich nicht mutiger als irgendwer.
ein paar menschen, die ich als altenpfleger betreue, mögen mich.
das wärs.
treo - 27.08.2008 13:53

ein kompliment....

...für dein sehr elegantes blog
und deine so sehr fundierten einträge#
in das blog:
http://elisabetta1.twoday.net,
deren seelisches leid ich nur zu gut nachvollziehen kann....
lieben gruß,
werner
http://mathematikos.uboot.com

bonanzaMARGOT - 27.08.2008 14:10

hallo werner,

danke fürs reinschauen.

elisabetta macht es schon richtig, dass sie ihrer enttäuschung ausdruck verleiht.
als dritte und fremde person kann man sich dazu leider nur in allgemeinplätzen äußern.

... und danke für den link zu dem uboot.

gruß
bon.
trollio11c - 27.08.2008 15:46

zur philosophischen dimension von lüge

bonanzaMARGOT - 27.08.2008 16:03

danke für den literaturhinweis,

werner.

ich würde ganz schlicht mal in den raum stellen: "wer ohne lüge ist, ist auch ohne wahrheit."

dummerweise vergrößern größere lügen nicht die wahrheit. und keine noch so große wahrheit wird die lüge auslöschen.
es ist eine frage unserer perspektive. es ist die frage, wie sich die fakten aus unserer perspektive präsentieren.
der beobachter wird automatisch zum lügner, weil er eine subjektive position zum beobachtungsobjekt einnimmt.
vielleicht ist die quantentheorie mit seinem teilchendualismus eine prima entsprechung für den lüge-wahrheit-diskurs.

gruß
bon.
trollio11d - 07.09.2008 16:07

hi...

......"die Nacht hat sich den Tag gepackt
ich sitze auf einer verwetzten Holzbank
das Bier griffbereit vor mir
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
unserer leeren Köpfe
zu gegebener Zeit
an dem opulenten Arsch der Bedienung kommen meine
Blicke nicht vorbei..."
ich bin so frei und nehm mir DIESE stelle, die im augenblick meiner persönlichen befindlichkeit entspricht, in mein blog hinüber!
servus,
werner
dzt.bei der ARS ELECTRONICA im wiener museumsquartier

bonanzaMARGOT - 08.09.2008 10:49

zur zeit

ist mir auch ganz danach ...
trackball - 08.09.2008 23:04

*


leonspoem - 03.11.2008 08:00

Ein sehr schöner Gedanke eine Poetische Kraftquelle.Etwas zuviel "Dampf"im Kpof hat jeder mal,deshalb ist sowas schon sehr notwendig.Ein Ventil zum Druckabbau ist gut.Schönen Gruss:Leonspoem

bonanzaMARGOT - 05.11.2008 13:17

hallo und danke, leonspoem

wenn man es schafft zum druckabbau sowas wie poesie zu furzen ...
ahg - 23.11.2008 14:02

poetentankstelle

die poetentankstelle - das gefällt mir! auch der gedanke mit dem geborgenheitsschlauch. ansonsten gefallen mir die erwähnungen konkreter dinge, wie z.b. der verwetzen holzbänke.
weniger kann ich mit der eben der überlegungen anfangen (ich bevorzuge gedichte, die überlegungen evozieren, anstatt sie hinzuschreiben). und manchmal stolpere ich, z.b.:

"an dem opulenten Arsch der Bedienung kommen meine
Blicke nicht vorbei
ihre Augen sind ständig entzündet, und ihr lächelnder Mund
wie eine Mondsichel -"

denn hier widerspricht sich das lyrische ich, es kommt sehr wohl am opulenten arsch vorbei, es beschreibt ihn kein bisschen, im gegenteil, schwuppdiwupp sieht das ich die bedienung von vorne (wo die augen und der mund sind).

gruß
a.

bonanzaMARGOT - 23.11.2008 14:19

ahg,

dass ich am opulenten arsch mit meinen blicken nicht vorbeikomme, bzw. mich von ihm angezogen fühle, heißt doch nicht, dass ich sonst nichts um mich herum beobachte. es gibt viele anziehungspunkte, die mich faszinieren, die hingucker sind.

ich schreibe keine lyrik, wie du sie verstehst. ich schreibe gedichte.
gedichte dürfen auch erzählen, beobachten - sie müssen nicht überlegungen evozieren, wie du dich etwas überanstrengt ausdrückst.
davon abgesehen evoziert, ruft die "poetentankstelle" eine menge überlegungen und empfindungen hervor, wie ich finde.
es ist ein sehr sinnliches gedicht.

ich verliere mich ungern im abstrakten, mystischen, surrealen mit metaphern. neben dem puren ausdruck wünsche ich mir das gedicht halbwegs verständlich inhaltlich unterlegt.
ich erzähle gedichte. ich male bilder. manchmal, das kommt vor, male ich gedichte und erzähle bilder. ich mische die farben, aber ich will die form nicht ganz verlieren.
es soll auch deutlich werden, wie sehr intellekt und gefühl miteinander verwoben sind.

bon.
ahg - 23.11.2008 14:31

okay

"wie du dich etwas überanstrengt ausdrückst."

hihi. du scheinst wohl lieber den kommentar zu kritisieren als dein gedicht kritisieren zu lassen. da werde ich mich in zukunft lieber nimmer an deinen texten überanstrengen.
ich habe jahre in internet hinter mir, wo es genau so gelaufen ist, darauf hab ich keine lust mehr.

mit grüßen
a.
bonanzaMARGOT - 23.11.2008 14:40

ahg,

ich habe keine ahnung von deinen erfahrungen.
ich habe prinzipiell nichts gegen kritik. einiges musste ich mir hier schon gefallen lassen. ich löschte nur die beleidigenden und zu persönlichen kommentare.
meine entgegnung war ehrlich gemeint. ich glaube nicht, dass ich persönlich wurde. ich nahm deine kritik beim kragen und überlegte mir, wie ich sie empfinde. wenn du dich daraufhin zierst, ist das deine sache. zickentheater brauche ich wirklich keins auf dem blog.
auf scheinheiligkeiten bin ich ganz schlecht zu sprechen.

bon.
Bastian (Gast) - 16.02.2009 13:18

Schönes Werk! Bravo! Emotional & wahr!

bonanzaMARGOT - 16.02.2009 13:25

hallo bastian, danke für deinen leseeindruck.
WANDERgalerie - 01.04.2009 12:54

mir gefällt deine lyrik...

...und die SCHWERE ist ein teil davon.
und schreiben ist ja auch bewältigen.
überwinden.
ich kenne dich nicht.
und doch.
ich mag deinen optimismus in der verzweiflung.
und doch.
die MEHRHEIT der MENSCHEN ist nicht schlecht.
und doch steckt das schlechte in jedem individuum.
und doch.
und gerade deshalb.

bonanzaMARGOT - 01.04.2009 13:49

schön, dass DU mal vorbeigewandert bist.
nein, nicht alle menschen sind schlecht. ebensowenig sind sie gut.
sie sollen sich aber zum guten hin strecken wie eine pflanze zum licht. nur dazu brauchen sie auch licht. gar nicht unbedingt viel.
das schlechte im menschen ist das ungewisse, das einen umschlingen kann wie eine würgeschlange. das schlechte liegt auch in der inneren einsamkeit, in den ängsten, die uns zum egoismus und asozialen verhalten bringen. und das schlechte kommt durch allzuviel dummheit, hörigkeit und abhängikeit.

ich schreibe aus dem leben, aus meinem gefühlsleben und meinen gedanken. ich hatte nicht immer diesen optimismus. ich mußte ihn mir mühsam aus einem dicken mamorblock heraushauen. deshalb bin ich wahrscheinlich auch so skeptisch gegenüber menschen, die von natur aus optimistisch erscheinen ...
wie soll das in dieser welt (also in der welt, in der ich lebe, die ich erlebe) möglich sein?
kann es sein, dass dummheit ein garant für glück ist?
WANDERgalerie - 01.04.2009 18:33

kann es sein, dass dummheit ein garant für glück ist?

panem et circenses.
titten, ärsche, fussball und saufen. heute
ja. glück kann einfach gestrickt sein.
aber was ist glück?
auf welchen ebenen vollzieht sich glück?
macht denken unglücklich?
und: dürfen wir über das glück der dummen urteilen?
(denn selig sind die armen im geiste, den denen ist das himmelreich)
bonanzaMARGOT - 02.04.2009 12:49

urteilen liegt mir fern. du hast recht, glück hat verschiedene qualitäten. glück ist vielfältig. vielleicht rede ich auch von einer zufriedenheit, einer einfachen sattheit.
ich bin kein unglücklicher mensch. ich muß so sein.
lieber bin ich unter einfachen (dummen?) menschen als unter selbstgefälligen, intellektuellen wichtigtuern. an den unis fühlte ich mich nie wohl. das sind kopffabriken, und meine kommilitonen widerten mich meistens an, wie mich überhaupt streber anwidern.
auch dummheit besitzt verschiedene qualitäten, oder wie du es sagst, - vollzieht sich auf verschiedenen ebenen.
andrea (Gast) - 17.04.2009 15:27

wenn du...

...eines tages eine poetentankstelle eröffnet hast
vielleicht
und dort
vielleicht
ganz kneipenmäßig
auch bier ausschenkst
...
gib doch bitte bescheid.

suche schon seit geraumer zeit
nach betankungsmöglichkeiten
die die psyche nicht zu stark zu beeinträchtigen suchen
...



und noch ein tipp
am ende
ist dein kopf nicht
leer
ist zu wenig
um so schreiben....


viele grüße!

bonanzaMARGOT - 17.04.2009 17:19

Andrea

Danke schon mal fürs Reinschauen ins Blog.
Mit der Poetentankstelle mit Bierausschank, wird es nicht so schnell was werden. Dazu fehlt mir als armer und verkannter Dichter der Kies.
Willst du eine größere Summe investieren? Dafür gebe ich dir dann Rabatt aufs Bier, wenn die Sache läuft.
rudolf33a - 01.07.2009 13:42

...

Ja Mißstände sollen ans Licht.
...Kann sein, daß ich zu sehr im System bin, doch mir geht es gut in der Arbeit...
Habe geshen, daß ich in deinen Abonnments dabei bin, DANKE -
L.G.Rudolf.

bonanzaMARGOT - 01.07.2009 13:57

bitte.
du kannst mir glauben, dass ich in den 23 jahren, wo ich in der altenpflege arbeite, so einiges sah, miterlebte (und leider auch mitmachte), wo sich mir immer noch die haare sträuben.
ich will sicher kein perfektionist sein, aber man muss sich einen gesunden blick für die realität bewahren. sicher gibt es altenpflegeeinrichtungen, die nahezu dem vorstellbaren ideal entsprechen, aber es gibt viele mehr, wo einiges im argen liegt.
ich wünschte, es hätte sich wirklich viel in den gut zwei jahrzehnten altenpflegearbeit, die ich nachvollziehen kann, für die bessere versorgung und den würdevolleren umgang für die alten menschen getan - aber aus meiner sicht leider nur punktuell. selbst die kontrollbehörden schaffen es irgendwie nicht, wenigstens die schlimmsten mißstände aufzudecken. und die arbeitgeber agieren in aller konsequenz mehr denn je als pure wirtschaftsunternehmen. ich könnte heute keinem jungen menschen empfehlen, den beruf altenpflege zu ergreifen.
rudolf33a - 01.07.2009 14:12

Wirtschaftsunternehmen

.. Unser Pflegeheim ist vom Chef her ein reines Wirtschaftsunternehmen.
Doch unsere PDL hat es in den letzten beiden Jahren geschafft, trotz gleichem Personalstand, die Qualität der Pflege zu verbessern. Dafür muß ich sie bewundern, sie ist meiner Meinung nach in einer sehr schwierigen Position - für mich zumindest hat sie sehr viel Verständnis. Bei dir wird das wahrscheinlich nicht so sein, sonst hättest du nicht deine Abmahnung bekommen. Meine PDL ist auch sehr streng, aber mit ihr kann man reden, und beim letzten Stockwerksgespräch wurden wir als Team von ihr gelobt.
L.G.Rudolf.
bonanzaMARGOT - 01.07.2009 14:27

ja, es ist für eine pdl nicht leicht, die pflege zu optimieren, wenn auf der anderen seite eingespart wird. drum muss eine pdl viel soziale und fachliche kompetenz haben. meine läßt die soziale kompetenz leider sehr häufig missen. motivieren tut sie selten. im gegenteil spielt sie oft die mitarbeiter und stationen gegeneinander aus. das ist dumm.

es ist ganz wichtig, dass man gute stations- und pflegedienstleitungen hat, die einen kritisch aber auch menschlich begleiten, und die einem in schwierigen situationen den rücken stärken.
ich hoffe natürlich, dass ich in meinem zukünftigen arbeitsverhältnis wieder bessere bedingungen vorfinde.
rudolf33a - 01.07.2009 14:37

...

Das wünsche ich dir auch.
Wie geschrieben, ich werde mich nun von hier ein wenig zurück ins reale Leben wenden - Hausarbeit steht an - Bis bald - Dein Rudolf,
Ambrosia - 15.09.2009 17:27

"lieber bin ich unter einfachen (dummen?) menschen als unter selbstgefälligen, intellektuellen wichtigtuern"

Du sprichst mir aus der Seele!
lg, Ambrosia :-)

bonanzaMARGOT - 15.09.2009 18:19

Ja. Obwohl etwas Intellektualität den Gehirnwindungen ab und zu ganz gut tut. Hauptsache das Herz wird nicht vergessen.
Danke für deinen Besuch, Ambrosia.
Ambrosia - 17.09.2009 09:40

ja, die Mischung macht's ;-)
Chinaski - 04.01.2010 15:11

Schön. Mir hats gefallen. Worte zu finden um Beobachtungen auszudrücken find ich ist ein Talent obwohl ich persönlich eher Geschichten schreiben kann als das ich dichten könnte.

Du scheinst Nazim Hikmet entdeckt zu haben den ich persönlich sehr mag. Er hat halt wie fast immer in rückständigen Gesellschaften nie die Anerkennung bekommen die er auch in der Türkei verdient hätte. viele gute Dichter und Romanciers mussten ins Exil, auch Pablo Neruda den ich mochte aber am aller liebsten mag ich (neben Pushkin und Lermontow) den Perser Ahmad Shamlou. Ich weiss nicht, vielleicht könnte er dir auch gefallen, oder dir neue Impulse geben. Auch er wurde wegen politischer Tendenzen inhaftiert und ins Exil getrieben. Ein grosser Dichter.

http://www.irania.eu/Gedichte/shamlou.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Shamlou

bonanzaMARGOT - 04.01.2010 15:35

danke für die anregungen, es ist immer wieder ein erlebnis, für sich einen dichter zu entdecken.

gruß
bon.
linalternativ - 29.03.2010 16:08

Leichtigkeit! ist das Wort.

Oh ja, genau so fühle ich mich manchmal...
genau dieses Gefühl was man vermisst und ich konnte es nie in Worte fassen... es ist die "Leichtigkeit"

Danke für diesen wundervollen Text!

bonanzaMARGOT - 29.03.2010 17:15

Leichtigkeit "aus dem Herzen" ist nicht leicht zu erfassen.

Ich danke dir für die Antwort.
Alles Gute!

bon.
Peter_B - 27.04.2010 18:04

Klasse geschrieben, hast du schonmal daran gedacht das in gedruckter Form zu veröffentlichen?

Grüße

Peter
bonanzaMARGOT - 28.04.2010 09:53

hi peter,

danke fürs kompliment.

ja, ich dachte schon daran, etwas verlegen zu lassen.
allerdings fürchte ich mich vor den vielen absagen - da käme ich mir vor wie ein hausierer. (ich bräuchte einen manager - "lach".)
mit gedichtbänden kann man schwer groß rauskommen auf dem buchmarkt, geschweige denn geld verdienen.
das internet bietet mir ersatzweise eine große plattform, wo ich meine werke relativ frei und bedingungslos präsentieren kann.
(natürlich ist es schon eine prickelnde vorstellung, irgendwann mal im buchladen auf mich selbst in den regalen zu stoßen.)

lieben gruß
bon.
oops - 13.06.2010 07:59

hätt gern einen "like-button"

bonanzaMARGOT - 13.06.2010 09:43

okay

dann krieg ich einen "oops-button"

(was verstehst du genau unter einem "like-button"?)
oops - 13.06.2010 19:13

;-))
so wie bei facebook --> gefällt mir knopf

den oops button bekommst du
bonanzaMARGOT - 14.06.2010 11:42

wie funktioniert das?

indem wir die html-codes der buttons austauschen? für die seitenleiste, oder wie willst du ihn bei dir einbauen?

ich hätte da bereits ein banner im angebot:

prosaGEDICHTE
Markus (Gast) - 11.03.2011 15:43

Die Leichtigkeit ist immer schwer zu finden... Dein Gedicht hat mir gut gefallen.

Qhenna - 30.08.2013 12:25

gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
unserer leeren Köpfe
zu gegebener Zeit


Wunderbarer Gedanke, wunderbare Zeilen.

Mitunter kommt es mir jedoch so vor, als wäre der Kopf viel zu voll und fühlt sich genau deshalb leer an. Ein Gewirr, in dem sich kein loses Fädchen greifen lässt. Ein Knoten, der weder Anfang noch Ende hat und sich nicht durchdringen lässt.

Habe gerade überrascht deiner Stimme entnommen, dass du keine "Margot" bist... :-)

.... Altenpflege... ein anspruchsvoller und oftmals frustrierender Beruf - Soll und Sein...

bonanzaMARGOT - 30.08.2013 12:40

ich stimme dir zu: unsere köpfe erscheinen oft deswegen leer, weil sie von allem möglichem blödem kram blockiert sind.
auftanken bedeutet auch ein loslassen.

die altenpflege ist wirklich mitunter sehr frustrierend. (das zu erörtern würde hier zu weit führen.)

der verwirrende name bonanzamargot ergab sich aus meiner forenzeit, um auf den blogs von meinen lesern wiedererkannt zu werden. und schließlich gewöhnte ich mich an dieses namensungetüm - welches ich oft als boma oder bon. abkürze. manche nennen mich auch bo.

danke fürs vorbeischauen, lesen und kommentieren, qhenna.

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bonanzaMARGOT - 2017-06-24 11:47
I remember Gunter Gabriel
Schlagermusik ist für mich ein No-Go. Meist mag...
bonanzaMARGOT - 2017-06-23 05:43
Mittwochs-Zitat
"In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz...
bonanzaMARGOT - 2017-06-21 00:03
TV-Tipp
"Mullholland Drive", 20 Uhr 15, Arte
bonanzaMARGOT - 2017-06-19 12:01

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