Die Poetentankstelle


(Zum Alte Schluuch)




Vergeblich suche ich die Leichtigkeit
finde etwas Zerstreuung beim Blättern durch die Lyrik
von Nazim Hikmet
weihnachtliche Illumination vor der Kneipentür
die Nacht hat sich den Tag gepackt
ich sitze auf einer verwetzten Holzbank
das Bier griffbereit vor mir
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
unserer leeren Köpfe
zu gegebener Zeit
an dem opulenten Arsch der Bedienung kommen meine
Blicke nicht vorbei
ihre Augen sind ständig entzündet, und ihr lächelnder Mund
wie eine Mondsichel -
die Kneipe ein kurzer Schlauch
Geborgenheit

Vergeblich suche ich die Leichtigkeit
Gedanken huschen wie lästige Fruchtfliegen vor meinem
Geist
die Reise vom Heute in das Morgen
ist Unruhe
bin ich der Gast, der auf der verwetzten Holzbank sitzt
das Bierglas ansetzend
die Lyrik von Nazim Hikmet vor Augen
wie den opulenten Arsch der Bedienung?
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
unserer leeren Köpfe
zu gegebener Zeit
die fremden Menschen rücken in mein Gefühl
als wären sie Kunstwerke einer liebevoll arrangierten
Ausstellung
Öllampen brennen auf den Kneipentischen
der freie Bauchnabel einer Frau, die sich streckt
die Mutter hebt das Baby aus dem Kinderwagen
und wiegt es an ihrer Brust
das kleine Wesen fasst sich einen Finger
unsere Augen leuchten

Die Nacht, die den Tag geholt hat
die Kälte der illuminierten Stadt im Winter
vergeblich suche ich die Leichtigkeit
ich leide unter einem chronischen Katarrh der Seele
gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
meines leeren Kopfes
zu gegebener Zeit




18.12.2005 15:13 von bonanza

auf http://bonanzamargot.podspot.de/ hörbar

Poetentankstelle




Von Meral Vurgun ins Türkische übersetzt:


Şiir Deposu

(Zum Alte Schluch)



boşuna bir kolaylık arıyorum
dağılmalar buluyorum biraz
çevirirken Nazım Hikmet’in lirik sayfalarını
meyhane kapısında Noel donanımları
gece katlamış kendini güne
oturuyorum bilinmeyen bir ahşap bank üstünde
bira kavranmaya hazır, duruyor önümde
olsaydı keşke bir şiir deposu
dolması için boş kafalarımızın
uygun bir zaman
bakışlarım ayrılmıyor servis kadının dolgun kıçından
gözleri temelli yanmış, gülümseyen ağzı
ayça gibi
meyhane kısa bir hortum
selamet

boşuna kolaylık arıyorum
düşünceler sessiz ve tedirgin meyve sinekleri gibi
geçiyor ruhumun önünden
yolculuk bu günden yarına
huzursuzluktur
bilinmeyen ahşap bir bankta oturan
bira bardağına hazırlanan bir misafirim
Nazım Hikmet lirikleri gözler önünde
garson kadının dolgun kalçası gibi mi?
olsaydı bir şiir deposu keşke dolması için
boş kafalarımızın
uygun bir zaman
yabancı insanlar dokunuyor duygularıma
sanki bir sanat eseriymiş gibi şefkatle düzenlenmiş
bir serginin
meyhane masalarında gaz lambaları yanıyor
kendini kasan bir kadının boş göbeği
anne bebeğini alıyor pusetinden
göğsünde sallıyor
küçük yaratık yakalıyor bir parmağını
ışıldıyor gözlerimiz

gece günü getirdiğinde
donatılmış şehrin soğuk kışında
boşuna bir kolaylık arıyorum
kronik bir dumağı altında inliyor ruhum
olsaydı bir şiir deposu dolması için
boş kafamın
uygun bir zaman




schreiben wie atmen - 04.09.2007 18:07

Wo???

"gäbe es doch eine Poetentankstelle für das Auftanken
meines leeren Kopfes
zu gegebener Zeit"

Passt voll in den Tag! Leerer Kopf heute, leegeregnet, leergestürmt, leergeschwätzt. Nun sitze ich vor meinem Text und weiß nicht weiter. Blogger halt mal so rum und stolper über Deinen Wunsch.
Poetentankstelle! Schön wäre es. Aber da ist noch der Wald. Der Wald - da geh ich jetzt eine Weile hin. Vielleicht dass sich da ein Baum bereit findet... ?
Bis nachher dann mal.

Auf dem Weg zur Tankstelle grüßt

Angela

bonanzaMARGOT - 04.09.2007 18:16

bäume

sind ganz gute zapfsäulen für trost und inneren frieden.
viel freude beim spaziergang.

gruß
bon.
libidopter - 11.11.2007 01:39

Ich würde gerne einmal eines Deiner hübschen Gedichte übersetzen

und hier auf den Philippinen unter ein paar ausgewählten Personen per SMS herumreichen, wie ich das des öfteren tue. Damit die Leute sich hier ein Bild davon machen können, daß die Menschen außerhalb ihres eigenen Landes und von Asien, zumindest im tiefsten Grunde, auch nicht viel anders sind als sie selber. Und vor allem, daß die Menschen in den Ländern der sogenannten Ersten Welt auch für ihr Überleben zu kämpfen haben. Zumindest es nicht so leicht haben wie die skrupellosen Bullen vom Rauschgiftdezernat hier, die mich und einen indischen Freund von mir aus Singapur, der auch hier lebt, unlängst durch einen stadtbekannten Drogendealer durch dessen aufdringlich beständiges SMS-Texten an jenem Tage in eine Falle locken ließen (um angeblich ein Mädel kennenzulernen, das eben erst aus Japan heimgekehrt sei) und für fast eine Woche in den Knast warfen, nur um von uns für die Freilassung Geld zu erpressen (anhand nur von einem angeblich positiv ausgefallenen Drogen-Urin-Test, den ich nur bereit war, machen zu lassen, da mir einer von den Schweinen einen solchen Schlag verpasst hatte, daß ich in die Ecke flog, und am Ellbogen blutete), und so weiter...

bonanzaMARGOT - 11.11.2007 10:14

selbstverständlich libidopter

ich habe großen respekt vor den schwierigkeiten der menschen überall auf der welt. es ist zum kotzen, dass man stetig gegen diskriminierungen und ungerechtigkeiten kämpfen muss, dass es immer menschen gibt, die ihre macht mißbrauchen.

du hast schon ein gedicht im blick? ich würde mich sehr freuen (auch über die übersetzung).

lieben gruß
bon.
AmarettazuBlaue - 15.11.2007 17:24

Kneipennamen

Hi bon schön erzählt, mit einem melancholischen Touch.
Zum alten Schluuch heißt was?? Zum alten Schluck vielleicht?
Ich wohne in der Nähe vom" zum stillen Untergang", die Bezeichnung find ich auch sehr poetisch und doppeldeutig, die Kneipe liegt an einem Kanal.
Gruß von Amaretta

bonanzaMARGOT - 15.11.2007 19:35

ne

"schluuch" kommt in dem falle von schlauch. die kneipe ist schmal wie ein schlauch.

lieben gruß
bon.
@miro (anonym) - 18.11.2007 18:41

Respekt!

Dank „Vernetzung“ fand ich mich auch in deiner Lyrik - mit Vergnügen...
und komme sicher wieder...

LG
@miro

bonanzaMARGOT - 19.11.2007 09:32

immer willkommen

bon.
lylo - 21.11.2007 23:53

ja hallo!

was seh ich? miro!
ich glaube, ich weiß, aus wessen netz du kommst ;-)
schönen abend euch beiden!
lylo - 21.11.2007 23:55

ach ja

ich wollte ja was zu dem gedicht schreiben.

die nacht hat sich den tag gepackt

schon wieder so eine zeile, die mich grün im gesicht werden lässt
vor neid und ärger, weil sie nicht MIR eingefallen ist.
bonanzaMARGOT - 22.11.2007 19:22

"aus wessen netz du kommst"?

hi lylo, manchmal bin ich auch neidisch auf dichterkollegen/-kolleginnen, vorallem wenn sie es schaffen, sich mit ihrer lyrik/prosa durchzusetzen. der einsame erfolglose dichter ist nichtsdestotrotz eitel.
ab und zu dope ich mich mit einem glas wein.

bon.
lylo - 23.11.2007 01:09

glas wein

aha. immer ein guter tipp. du meinst, es hilft auch gegen neidgrüngesichtigkeit?
und ach, erfolg! kann man nicht trinken ...

und "die eitelkeit ist ein hund" sagt man bei uns im burgenland.
also ein wuff von meinem hund an deinen.
@miro (anonym) - 23.11.2007 19:06

entweder - oder

man trifft sich
laut erfahrungen
mit liebe
begrüßt sich
herzlich

und versinkt
wenn der wind
darüber geht

..............
...@miro

kate (anonym) - 23.11.2007 21:14

alte schluuch

ist das in basel?? oder wo gibts noch einen schluuch?

bonanzaMARGOT - 24.11.2007 15:50

basel

in den letzten zwei jahren komme ich regelmäßig nach basel. als passionierter kneipengänger musste ich mir dort ein paar wirtschaften aufreissen, darunter der "alte schluuch" in kleinbasel.
undercover lyrik (anonym) - 13.02.2008 20:23

Eigentlich wollte ich nur einen Besucher besuchen.
Dann ging ich von dort auf Reisen zu einem Kommentator des Besuchers und landete im alten Schluuch ....
Schön ist es hier und auch nicht verwunderlich, dass lylo auch schon hier war. Eigentlich hätte sie mich ja gleich mitnehmen können ....
Liebe Grüße

bonanzaMARGOT - 14.02.2008 17:02

schönen dank

für deinen besuch, undercover lyrik.

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