brasko und der anruf aus der zukunft




ich lag auf der terasse und beobachtete das schattenspiel der birkenblätter auf meinem nackten oberleib. neben mir lag zur lektüre „der gilgamesch-epos“. ich dachte an gilgameschs freund enkidu, mit dem ich mich aus einem unerfindlichen grund identifizierte. aber nicht lange. dann rechnete ich die wegstrecke zu meinem kühlschrank aus, und kam bei 20 bier auf stattliche 100 zurückgelegte meter. mitten in meinen berechnungen klingelte das telefon.
„mr. brasko?“
„hm.“
„ich habe einen auftrag für sie. eine observation.“
„aha.“
„beschatten sie meine frau samstag auf sonntag, während ich auf dem physikerkongreß bin.“
„sie haben einen verdacht?“
ich goß mir aus der dose nach. das bernsteinfarbene bier bildete eine wunderbare krone. das weiß lief an der beschlagenen außenwand des glases herunter. „was springt dabei für mich raus, mr ...?“
„ich gebe ihnen die 6 richtigen für den samstag.“
„sind sie sicher, mr. ...?“
„hören sie brasko, mein name tut hier nichts zur sache. sie werden mich für irre halten. ich rufe sie aus der zukunft an. ich bin ihnen 2 tage voraus. ich habe sonntag, und sie verpennen gerade den freitag. ich kam heute morgen vom kongreß zurück und fand spermaflecken auf dem laken unseres ehebettes. und diese flecken stammen nicht von mir! sie verstehen?!“
„ich verstehe, mr. ... physiker.“
„sie beschatten also meine frau, mr. brasko. sie wird am samstag nachmittag in der bäckerei des hauptbahnhofs an der theke arbeiten. sie werden sie gleich erkennen. sie ist die best- aussehendste. und wenn sie rausgekriegt haben, mit wem sie sich nach feierabend vergnügte, rufen sie mich am sonntag an.“ ich hörte, wie er überlegte. „und zwar nach 14 uhr – so spät ist es nämlich jetzt.“
der physiker gab mir seine handynummer und die lottozahlen für den samstag durch. ich sagte: „ich wünsche ihnen, dass die zahlen stimmen ... .“ clic.


der vorteil eines gewohnheitstrinkers ist, dass er zwar angekratzt aber nicht totalbeschädigt ist. es war samstag mittag, und ich machte mich auf den weg zum hauptbahnhof. beim kauf von 2 salzbrezeln sondierte ich die lage. sie war wirklich eine kanone. ich meine, eine kanone, die nicht nur scharf war, sondern die auch schoß. ich stellte mir ihren mann, den physiker vor, wie er vor dem akt seine brille abnimmt ... . intelligenz muß wohl was erotisches haben, dachte ich, als ob ich das nicht schon längst wüsste. ich stellte mich an den imbiß gegenüber und schielte zu ihr hin: eine art dolly buster mit intelligenterem gesichtsausdruck. als ich schweißige hände bekam, trank ich dosenbier zum auffrischen und aß ein frikadellenbrötchen.
sie mußte wohl auf die dauer bemerkt haben, wie ich sie angierte, denn immer wieder trafen sich unsere blicke, und „dolly“ grinste verführerisch. bei mir schlug es 13, denn ich kannte dieses dreckige grinsen nur zu gut. schließlich war ihr mann auf dem physikerkongreß. nach der 5. dose überließ ich mich meinem glücksgefühl. ich blickte wie durch einen tunnel zu „dolly“, meiner bäckereifachverkäuferin. außenherum nahm ich nichts mehr wahr.
die lottozahlen hatte ich nicht abgegeben. wen verwunderts? dieser physikprofessor war ein alberner spinner. anruf aus der zukunft – fuck it! dachte ich und umarmte schon halb den stehtisch, an dem ich lehnte.

endlich hatte sie feierabend. ich wartete, bis sie ihre schürze abgelegt hatte.
„darf ich sie begleiten?“
„angenehm“, lispelte sie, „ich bin die frau des physikers.“
„brasko – privatdetektiv, sie wissen bescheid?“
„klar“, sagte sie, „mein mann ist höllisch eifersüchtig. er schickt mir jedes Mal einen schnüffler auf den hals, wenn er auf einem kongreß ist.“
„und jedes mal findet er spermaflecken ...?“
„ja, er sucht so lange, bis er sie findet.“
„ich verstehe“, sagte ich, „und danach ruft er mich aus der zukunft an.“
„dolly“ kicherte. „du hast doch zeit – oder?“
wir nahmen ihren roten ford fiesta. langsam entspannte ich mich auf dem beifahrersitz, und ich öffnete mit lautem „zischsch“ das nächste bier. „du hast doch nichts dagegen?“
„nein, aber denke daran, du musst heute nacht noch deinen mann stehen ...“

die zukunft nahm ihren lauf. sie war schon abgemachte sache. davon abgesehen hatte ich meinen spaß, so weit ich mich erinnern kann. nach der gemeinsamen nacht fuhr mich „dolly“ nach hause. ich kann also nicht meckern.
ich liege wieder auf der terasse und versuche mich mit dem „gilgamesch-epos“ abzulenken. ich will zu gerne wissen, ob dieser physiker aus der zukunft anrief. ganz auszuschließen ist das doch nicht. die entfernung zu meinem kühlschrank hat sich nicht verändert. ich schaue durch den blätterwald der birke in den himmel. im radio werden gedichte von heinrich heine rezitiert. die uhr schlägt 2. besetzt. er telefoniert noch mit mir am freitag. ich warte und wähle erneut. „hallo, mr. brasko, ich habe ihren anruf erwartet ...“


15.05.2002 12:25 von margot

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