theseus-schiff
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es ist die frage, wie weitgehend ein objekt oder eine
person von dem erscheinungsbild abweicht, welches die
umwelt von ihm/ihr gewann. oder wie wir diese veränderungen,
denen wir alle unterworfen sind, begleiten.
im engen kontakt werden veränderungen anders und weniger
einschneidend wahrgenommen als beim wiederkehrenden
kontakt nach jahren. wenn wir zb. eine person als klein-
kind kennenlernen und sie sodann im erwachsenenalter
wiedertreffen - identifizieren wir sie dann noch als
dieselbe person? manchmal sagt uns allein unser wissen
darum, daß es sich um den/das ein und selbe handelt.
aber ist es dann wirklich noch der/das ein und selbe?
fragen wir einen menschen, wird er im normalfall kein
problem haben zu antworten, daß er sich identisch
mit der person aus seiner kindheit fühlt. es ist schließlich
seine kindheit und nicht die kindheit eines anderen.
ein objekt kann sich dagegen über seine identität nicht
äußern. auch zb. eine landschaft nicht.
es stellen sich fragen wie: wenn der bodensee austrocknete,
wäre dann die region immer noch als "bodensee" identifizier-
bar? oder: wenn wir den kölner dom stein für stein in
manhatten aufbauten - wäre es dann noch der kölner dom?
es ist auch möglich, daß sich diese fragen so nicht stellen.
nach meiner auffassung bleibt alles, was es ist, wenn es
auf einen ursprung zurückzuführen ist.
ein mensch verändert sich, aber er teilt sich nicht.
er bleibt derselbe, selbst wenn wir ihn mitunter nicht mehr
als denselben wahrnehmen. mit den dingen und landschaften
verhält es sich ähnlich. erst der tod löscht die identität.
auch seen und berge sterben. der tod bereitet oft einen
sehr langsamen übergang. bei landschaften meist über
millionen jahre. dinge und menschen können urplötzlich
durch äußere gewalt den tod finden - aber manchmal gehen
auch sie den langsamen weg des sterbens, und wir begegnen
ihnen als ruinen, als verwitterte überbleibsel ihres
selbst. vielleicht erkennen wir kaum noch den geliebten
menschen in diesem zerfallenen gebäude - an seiner
identität ändert das jedoch nichts.
wenn wir nun organe transplantieren oder sogar gehirne
verpflanzen könnten, stellt sich für uns menschen
aktuell und ganz praktisch die frage nach dem sitz
unserer identität. das gehirn hat gemäß heutigem
naturwissenschaftlichem erkenntnisstand den größten
anspruch auf den "thron" unserer identität. wir verbinden
damit unser bewußtsein.
forscher reden bereits von ganzkörpertransplantationen,
um vom hals abwärts gelähmten eine längere überlebens-
chance zu bieten. auch über mischwesen, mensch-maschinen,
wird futuristisch nachgedacht. wenn diese vorstellungen
irgendwann realität werden sollten, werden wir anhand
praktischer erfahrungen die frage nach dem sitz unserer
identität lösen. ich bin sicher, daß der mensch in seinem
wissensdrang durchführen wird, was machbar ist.
ein damit verbundener menschheitstraum ist der wunsch nach
unsterblichkeit.
die philosphische frage des "theseus schiff" ist brand-
aktuell. ein theologe würde vielleicht entgegnen:
"ist die sterblichkeit nicht wesentlich für unsere
identität?"
ist identität nur in seiner begrenztheit erfahrbar?
wo geht identität in bewußtsein über? wann sprechen wir
von seele?
29.03.2005 12:21 von bonanza
bonanzaMARGOT - 03.02.2007 11:27























