warum mußte es lasagne sein




wie ich diese gottverdammte eitelkeit hasse!
ich wische mit der flachen hand über den
schreibtisch. eine kerze brennt zu meiner rechten.
der kaffee schmeckt verboten ohne milch und
zucker. warum musste es lasagne sein?
ich ärgere mich über das verspritzte t-shirt.
das radioprogramm an sonntagvormittagen
ist eine zumutung für einen im dritten jahrtausend
lebenden menschen. mir kommt ins gedächtnis,
warum gottesdienste in mir ein ungutes gefühl
hinterlassen. ich denke an verschimmelte
lebensmittel. kaffee tropft auf die tastatur.
mike tyson, der ohrenbeißer, ging k.o..
warum gibt es bischöfe, die latein quatschen?
wozu gibt es priesterseminare? shit! hätte ich
doch nicht mein lieblingst-shirt verkleckert.
dann ginge es mir besser. bei kinderschändenden
priestern wäre ich für die wiedereinführung der
todesstrafe. vorher würde ich sie ein klein wenig
foltern, oder ich würde mike tyson auf sie los-
lassen. mit dem ist heute bestimmt nicht gut
kirschen essen. ich lausche dem ruf eines uhus.
dann wieder dem radio. hr 1, kirche und welt.
ufff! ich werde alt. der kaffeepott fasziniert mich.
er leistet mir gesellschaft ohne dumme fragen.
auch die kerze sendet etwas wärme. am besten
den ganzen klerikalen muff auf den scheiter-
haufen. das gäbe ein höllenfeuer. sonntage sind
für mich der inbegriff von spießigkeit. nach dem
kaffee werde ich den wein entkorken und meinen
ganz eigenen gottesdienst celebrieren. bestimmt
nicht mit kirchenmusik. gott, wir leben in einer
epoche der renaissance des spießertums mit sub-
tilerer wertevermittlung. anders ausgedrückt:
die doppelbödigkeit wurde zu einer dreifach-
bödigkeit ausgebaut. und so weiter. höhere
mathematik in sachen heuchelei. ich spüre, dass
ich langsam in fahrt komme, und dass ich bald reif
für den billigen, mazedonischen rebensaft bin.
kadarka. rotweinflecken neben spritzern öliger
lasagnesoße. wenn schon – denn schon ...



09.06.2002 08:48 von margot

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