Basel




diese wenigen Tage brachten mir eine Stadt näher
die ich schon vor Jahren beschnuppern wollte
ihr multikulturelles Flair am Rhein
ich spazierte durch das Spalentor in das Herz
mit den zwei Kammern
auf dem Weg prophezeite mir ein Yogi-Mann
drei Jahre Glück
er wollte mir das lockere Geld abluchsen
er sah meine Verträumtheit
oft blieb ich an Schaufenstern stehen und starrte
abwesend auf die Waren
in meinem Kopf brandete das Meer
welches Erlebnisse anspült
Vergangenheit auftauchen lässt
und manches verschlingt, als wäre es nie da gewesen
meine Schritte führten mich an das Rheinufer
durch die schäumende Innenstadt
mit ihrem Verkehr, den grünen Trams, den Einkäufern,
den Studenten, dem Markt
ich fühlte mich seltsam frei
ich hatte alles, was ich brauchte
Bier und eine Liebe im Gepäck
in Kleinbasel setzte ich mich auf die Uferterrasse
im Halbschatten der Markisen und Nussbäume
ich blätterte in „Les Fleurs de mal“
Baudelaires Gedichte rührten mich an
wie nur Dichterherzen das Leben erfühlen
in seiner Fremdheit und seinem Puls
zwischen sanfter Trägheit und atemloser Hektik
zwischen liebender Zärtlichkeit und roher
Gewalt
ein Strom von Wohlwollen ergoss sich in mir
Verstand und Unverstand waren Gäste in derselben Stadt
die Luft war klar, und ein leichter Wind
brachte den Duft der Menschen
ich beobachtete sie, wie sie über die alte Brücke liefen
unter den wehenden Kantonsfahnen
die neuen Generationen auf den Gebeinen ihrer Väter
und Väterväter
nebeneinander die Völker und Rassen
die Stadt ist Zeuge
sie ist wie ein Gefäß
vom Blut der Menschen beseelt

die Spätsommersonne war voll gnädiger Heiterkeit
sie funkelte in den Fenstern der Uferfassaden auf der
Großbasler Seite
die Magie des Flusses wirkte, der trennt
sowohl zusammenführt
ich dachte an die Liebe
es war der richtige Ort dazu
der Himmel erschien mir wie ein hellblauer Schwan
mit riesigen Schwingen
die Säfte in mir wogen schwer
die Hand des Tages schaute freundlich
ich ließ mich von ihr führen




(2005)

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