Einer jungen Liebe




Du bist jung und geistvoll.
Eine seltene Kombination. Was natürlich Quatsch ist.
In meinem Alter setzt man Geist voraus. Ich denke,
um so älter wir werden, desto undurchschaubarer
wird die Maskerade. Ich schaue gerne in dein offenes
Gesicht. Es ist unverbraucht und neugierig.
Das Mädchenhafte noch nicht völlig entwichen,
das Frauliche im Anmarsch. Keine Frage, für mich
bist du eine ganze Frau. Beim Küssen klebe ich an
deinen Lippen, und wenn wir uns lieben, fließt statt
Blut Milch und Honig durch meinen Körper.
Ich höre dich ein Lied trällern im Bad, während ich
glücklich zwischen den Kissen liege. Als du den
Raum betrittst, springe ich auf von meiner Ruhestatt
in deine Arme, Liebste. Ich weiß, das klingt geschwollen,
aber für einen Moment ist es genau so.
Das Leben ist ein gütiger Fluß an diesem Tag.
Wir lassen uns in seiner Strömung treiben. Die Stadt
schnurrt in der Morgenluft. Nach dem Frühstück verlassen
wir das Hotel mit den dunklen Fluren und der kargen
Einrichtung, bestaunen den Schuhputzautomaten und
die Sesselgarnitur. Ich entdecke die Welt anders neben
dir. Sie ist plötzlich wieder fremd und wartet darauf
entschleiert zu werden.
Die kalte Luft füllt wohltuend die Lungenflügel.
Wir spazieren den Berg hinauf zur Altstadt, vorbei
an Boutiquen und kleinen Läden bis zum Schloß
empor. Immer wieder blicke ich dich an, als könnte
ich es nicht fassen wie in einem Traum, einem
schönen Liebestraum. Wahrscheinlich trage ich
ein beseeltes Dauergrinsen im Gesicht. Du mußt
es bemerkt haben.
Das Kopfsteinpflaster bergan ächzen wir. Die Nacht
steckt uns noch in den Gliedern. In dem kleinen
Kellergewölbe Mox tanzten wir ab. Es lag auf dem
Heimweg. Den schnellen Rhythmen kann ich nicht
immer folgen. Ich tanzte, als gäbe es die Kluft zu
meiner Jugend nicht. Aber bald ging mir die Puste aus.
Der kleine Washington steckte dir seine Adresse
zu, ohne daß du es bemerktest. Er wich dir nicht mehr
von der Seite, dieser flinke, putzige Kerl. Ich dagegen
kämpfte mit der Übelkeit in der muffigen, verbrauchten
Luft. Danke, daß du auf mich Rücksicht nahmst.

Endlich sind wir auf der Schloßterasse angelangt.
Wir umarmen und küssen uns über dem Lahntal.
Versteckt schlängelt sich das Flüsschen durch die Ebene.
Die Dächer der Altstadt zu unseren Füßen. Noch glänzen
sie feucht vom Regen des gestrigen Tages. Als unsere
Glieder kalt werden, wandern wir weiter in der Sonne,
die langsam kräftiger wird.
Zurück in der Stadt suchen wir ein gemütliches Lokal.
Das Café Barfuß ist uns noch vom Vorabend positiv
in Erinnerung. Ich bin verliebt. Der junge Kellner
grinst, als er den großen Salatteller bringt.
Er hätte uns einen zweiten Teller gebracht, sagt er,
aber wer so knutscht, kann sicher von einem Teller
essen.
Die Zeit schleicht in den Nachmittag. Von der Müdigkeit
und dem Bier betäubt, zieht es mich zurück in unser
Hotelzimmer. Du bist einverstanden. Vor dem abendlichen
Ausgehen sollten wir uns ein wenig erholen. Doch für die
Liebe bin ich nie zu müde. Ich gebe dem Saft nach, der mir
in die Lenden steigt, und du empfängst mich.
Daran könntest du dich gewöhnen, sagst du. Wollen
wir noch ein wenig schlummern?
Wir haben noch einen Abend und eine Nacht in
Marburg.






24.01.2005 11:45 von bonanza

schreiben wie atmen - 22.09.2007 20:40

IV

Ja, ich erinnere mich dunkel. Verliebtsein, das ist wie Champagner intravenös, sogar das Müllauto riecht anders als sonst. Und Marburg ist eine wunderschöne Stadt - ich weiß ich weiß. Ist verdammt lang her. Aber schön ist das schon, das mit der Verliebtheit. So schön wie die Tage nach einer schweren Krankheit, wenn das Fieber und die Schmerzen nachlassen. Mindestens genauso schön - oder auch dann und wann ein bißchen schöner - und meist auch so schnell vorbei. Ein kurzes helles Plätschern das in einen langen trägen Strom mündet.

bonanzaMARGOT - 23.09.2007 14:50

hast recht.
bonanzaMARGOT - 24.09.2007 14:17

ein feuerwerk

schaut man sich auch nicht jeden tag an, aber ab und zu knallt es richtig rein. soll man auf feuerwerke ganz verzichten?

bon.
schreiben wie atmen - 24.09.2007 18:02

Nie im Leben...

würde ich auf Feuerwerk verzichten wollen. Mit den Jahren lernt man aber, wie man sich die Feuerwerke selbst anrichtet. Groß bunt und schön - nur für mich alleine, ganz ohne die Gefahr, mir dabei die Finger zu verbrennen. Ist das nicht grandios? Diese Lebenserfahrung? diese Zurückhaltung an den richtigen Stellen? Diese ausgesucht dezente Wortwahl.
Nein?
Ist es nicht?
Hast recht!
Schöner sind Feuerwerke schon, wenn bei den OH's und AH's noch irgendwer mittut.
Im Zweifelsfall hat man ja die Protagonisten und -Innen der Geschichten die man schreibt. Die armen Schweine müssen aber auch für alles herhalten.

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