Landung




Am frühen Morgen war alles wie sonst.
Wie Spielzeuge hoben sich langsam die Schiffe
der Armada der Alliierten
von der grauen See ab.
Die Szenerie hatte etwas unwirkliches, gespenstisches.
Es war Krieg.
Der Soldat lag angespannt in seiner Bunkerstellung
zwischen den Dünen.
In seinem Maul glomm eine Selbstgedrehte.
Der Kamerad neben ihm pisste sich in die Hose und
erzählte einen Witz.
Sie lachten nicht über den Witz.
Sie lachten ihre Angst in den Bunkerraum.
„Sie kommen“, sagte er
„Sie kommen, wir werden sie begrüßen!“
„Hast du noch `ne Kippe?“
„Klar, Kamerad.“
„Bist du verheiratet?“
„Nein, aber ich habe eine Freundin in Leipzig ...
Wir wollen im Spätjahr heiraten.“
„Hat sie einen geilen Arsch?“
„Ja, den hat sie. Gottverdammt, den hat sie!“
Bald übertönte der Donner der Geschütze
ihre Sprache.
Stumme Lippenbewegungen.
Schwarze Fingernägel kratzten nervös auf Beton.
Sie konnten nur einen kleinen Strandabschnitt einsehen
in ihren MG-Stellungen.
Wie ein Ameisenvolk kam der Feind aus dem Wasser.
Sechzig Jahre später wäre das ein prima Ballerspiel
gewesen.
Die MGs glühten und ratterten.
Es war ein Inferno. Man durfte einfach nicht daran denken,
dass man auf Menschen schoß.
Als der Feind näherrückte, bekam er ein Gesicht.
Es war wie eine Flut von Leibern.
Die Kippe im Mund des MG-Schützen war längst ein
trockener Stummel zwischen knirschenden Zähnen.
Er weinte. Der Feind war plötzlich sehr nahe.
Ein Soldat sank getroffen auf die Knie, schaute in den
Himmel und fiel vornüber.
„Kamerad, halte meine Hand!“
„Hat sie wirklich einen geilen Arsch?“
„Was meinst du, warum ich sie heiraten will?“
„Wenn das hier vorbei ist, gehe ich zu der geilsten Nutte
in Paris.“
„Rue St. Denis.“
“Haha!”
Das Schlachtgetümmel ringsum wirkte wie ein
inszeniertes Theaterstück.
Als die Granate dumpf auf dem Bunkerboden aufschlug,
fiel für zwei Menschen für immer der Vorhang.




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