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rinpotsche - 23.06.2008 21:05

Zwischen Gnade und Fluch

Es sollte das neue Menschlein sein irdisches Dasein mit einem bewußten Anflug auf die Erde beginnen. Zusammengestückelt aus den Atomen von überall her.
Wahrscheinlich ist es aber so, dass sich mit der Zeit ein solitäres Gehirn herausgemendelt hat, das nur seinem Selbstzweck dient und sich einen Körper darum hat wachsen lassen, um eine Exekutive zu haben. An einer winzig kleinen Stelle des Organs wird die Entwicklung von vermeintlich Sinnvollem oder auch Sinnlosem zugelassen, die sich aus den Wechselwirkungen der körperlichen Mobilität ergeben. Sozusagen ein Zugeständnis.
Entscheidungen trifft allein das Ding im Kopf.

Dein Gedicht fand ich sehr anregend, weil es so schön grenzenlos ist. Den Raum beschreibt, den man nicht greifen kann.
Den Sternen geht es den Umständen entsprechend, DENKE Ich?

bonanzaMARGOT - 09.07.2008 11:07

ja, rinpotsche,

das siehst du sehr richtig. ich verfalle oft ins wundern über die welt, wie sie sich mir darstellt und über die menschen, wie sie mit ihren wichtigkeiten durcheinander wuseln und so machen, als wäre ihr treiben völlig normal ... dabei überkommt mich oft das gefühl der absurdität.

gerade zurück von einer fahrradreise bin ich übervoll von dem zwiespalt "mensch - natur": einerseits sah ich auf meinen wegen so viel wunderschöne, "anarchistische" natur, andererseits dann die zerstückelung der landschaften durch die menschen.
ich fragte mich, ob das nur ich so sehe, weil ich auf einem fahrrad sitze und nicht in einem auto bei 100 km/h ...
es ist schändlich, wie der mensch die natur als sein eigentum betrachtet - dabei ist er selbst nur ein haufen zellen, ein häuflein materie. warum benutzt er seine intelligenz nicht für eine sanftere welt, für ein sanfteres umgehen mit der natur und mit den mitmenschen?

bon.
rinpotsche - 09.07.2008 14:43

Schön, dass Du wieder da bist

Jetzt müsste das Gehirn über sich selbst nachdenken, um eine nachhaltige Organisation in sein Wirken auf Erden zu bringen. Es scheint, dass "die Natur/ein Gott" entweder die nahende Katastrophe in Kauf nimmt, oder diese geplant hat, sonst könnte doch so eine kollektive Selbstvernichtung gar nicht stattfinden.
Du fährst mit deinem Fahrrad Erdölreifen, energiereich hergestelltes Alu oder Stahl und giftige Farblacke spazieren. Und dabei bist Du so langsam, dass Du auch noch den ganzen anderen Scheiß ansehen musst.
Ich glaube, wir sind einfach zuviele, um anständig mit der Erde umzugehen, und genau deshalb arbeitet die Natur oder wer auch immer daran, dies zu ändern.
bonanzaMARGOT - 09.07.2008 15:15

du verstehst mich hoffentlich nicht falsch,

rinpotsche - ich erkläre mich nicht zum besseren mitmenschen. mein fahrrad ist genauso wie andere werkzeuge in fabriken hergestellt und ein teil des konsumirrsinns, der die landschaften des lebens verunstaltet. allerdings schalte ich bei meinen reisen (und nicht nur bei meinen reisen) ein paar gänge herunter und überlege mir möglichst objektiv, wieviel luxus, technik, essen ich brauche. ich sehe den raubau an der natur vorallem darin begründet, dass wir von allem einfach zu viel wünschen - inzwischen auch erwarten. wir könnten wesentlich bescheidener auch sehr glücklich leben. es geht mir nicht um den totalen verzicht an luxus und überschuss - es geht mir um ein maßvolleres umgehen mit den resourcen unserer umwelt. in den jahren seit meines erwachsenseins beobachte ich lediglich eine zunehmend gewissenlosere verschandelung der natur. kurze zeit setzte ich auf die grünen. aber schaue sie dir jetzt mal an ... ich bin sehr enttäuscht.
alle scheitern sie an dem kapitalismus und den industriemagnaten.
langsam habe ich die schnauze voll, und darum gibt`s für mich gesellschaftlich nur noch eine option: links!
stalin und diese wichser können mir dabei den buckel runterrutschen. sie mißbrauchten nachträglich das linke politikbild.

rinpotsche, du siehst es wahrscheinlich realistischer als ich, und ich krähe hier nur herum wie ein verrücktes huhn. wir sind längst zu viel für den erdball, und es ergeben sich viel zu viele kleinmeierische interessenkonflikte - drum kommt bei den ganzen klimadebatten ja nicht wirklich etwas heraus.
hätte ich kinder, würde ich terrorist werden.
für ihre zukunft würde ich wie ein don quichote kämpfen.
aber so ... bleibe ich bei meinen gedichten.

bon.
bonanzaMARGOT - 09.07.2008 15:29

übrigens

was macht das gehirn anderes, als ständig über sich selbst nachzudenken? die frage ist, wieviel bewußtheit das gehirn zuläßt, also wieviel freiheit eigener gedanken in philosophie und geistigkeit das gehirn in seiner selbstbetrachtung, im irrgarten seines selbst hervorbringen kann. manche menschen funktionieren in dieser hinsicht wie zombies. die einen sind zombies ihrer rationalität, ihrer alltäglichen oberflächlichkeit (dumpfbackigkeit); andere sind zombies ihrer übertriebenen, intellektuellen dialektik.
ich mag weder die einen noch die anderen besonders. aber ich brauche sie, um mich auszuloten.

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