Zwei Zentimeter




die Sonne zauberte mir Strahlenkränze um die Augen
meine Hände sehen aus wie ein schuppiger Fisch
die Haut ist alt und braun wie bei meinen
Alten im Heim
ich dachte, ich hätte abgenommen, aber die alten Hosen
passen mir immer noch nicht
es fehlen noch zwei Zentimeter
ich dachte, ich hätte mindestens 10 Pfund verloren auf der Fahrt
wahrscheinlich trank ich zuviel Bier
im Spiegel sehe ich wie eine Mumie aus
und die Haare darauf
schlohweiß
meine Augen sprechen
sie hetzen mir regelrecht entgegen
damit ich aufschreibe, was ich empfinde
was ich alles auf meiner Fahrt spürte
erlitt
aber was kann ich sagen?
am liebsten würde ich alle Tränen hervorzaubern, die ich
auf der Fahrt unterdrückte
sie kommen schon




(09.07.08)

Lymielle - 23.09.2008 16:06

neben

dem ansprechenden und einladenden titel macht auch der text einiges her. auch wenn es prosaische lyrik ist, hätte ich es mir etwas magerer gewünscht, um die stimmung noch deutlich hervor zu heben. die wendung innerhalb des textes, die verdeutlichung, finde ich äußerst gelungen.

liebe grüße.

bonanzaMARGOT - 24.09.2008 16:21

danke lymielle

für deine sehr bestimmten aussagen zum text.
es gibt nun texte, die ich einfach aus einem anlass heraus herunterschreibe, und die ich ungern grossartig überarbeite. ziemlich viele meiner prosagedichte schreibe ich derart "impulsiv".
ich finde deine eindrücke spannend, sogar schmeichelnd. magerer wäre ich gern von meiner fahrradreise zurückgekehrt, aber ich machte wohl zu viele bierpausen.

wieso war für dich der titel einladend?
wofür standen die zwei zentimeter in deiner vorstellung?

gruss
bon.
Lymielle - 24.09.2008 17:19

eben

weil ich mir unter diesen zwei zentimetern absolut nichts vorstellen konnte bekam dieser titel seine reize und machte mich neugierig. titel sollten im voraus nie viel verraten, sondern erst durch den text ihre bedeutung gewinnen, finde ich.

und ich würde mich freuen, wenn du dich dazu gesellen würdest:
http://papierflieger.siteboard.org/

liebe grüße.
bonanzaMARGOT - 25.09.2008 13:31

danke für link und angebot, lymielle,

ab und zu vermisse ich schon die forengeselligkeit. mal schaun, ob`s passt.

der titel eines gedichts ... ich wollte mich da nicht festlegen - ein gedicht, je nach länge, muss nicht spannend sein. es sollte mindestens einen gewissen lesegenuss bieten - und wird damit definitiv zur geschmacksfrage.
ich kann den leser mit dem titel reizen, ich kann ihn neugierig machen, oder ich gebe ihm bereits eine ahnung ...
es gibt gedichte, die ich schreibe, nachdem ich den titel schon weiss; und es gibt gedichte, denen ich einen titel erst im nachhinein nach mehrmaligem lesen mehr oder weniger intuitiv verleihe.
alles ist möglich, und alles ist gut, womit ich als autor zufrieden bin.
manchmal mute ich dem leser auch einiges zu.
aber so ist das leben.
und die dichterei.

gruss
bon.

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