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lylo - 15.07.2008 11:56

ich mag

diesen text sehr.
für mich ist er lyrische prosa vom feinsten! mit einem wunderbaren klangbild!
er vermittelt ein gefühl des "radfahrens und biertrinkens"
was für mich als tagwerk und entspannung (mit resümee) rüberkommt.
hält sich nirgends besonders auf, sondern hat seine eigene qualität, seine eigene fahrt eben.
es klingt, wenn der begriff auch noch so abgedroschen ist, wie "der weg ist das ziel"
und die erkenntnisse liegen in der vergangenheit und die zukunft ist sehnsucht ...

bonanzaMARGOT - 15.07.2008 12:17

hallo lylo,

ja, ich wollte im schnelldurchlauf und rückblickend rüberbringen, wie meine tage auf der fahrradreise verliefen (darum im titel der hinweis auf die "lücken"). natürlich bestand meine fahrt nicht nur aus "in die pedalen treten" und "biertrinken" - na ja ... oft schon, lach!
du sagst es: der weg ist das ziel.
zu meral sagte ich, dass ich meine reise wie ein gedicht betrachte:
als ich losfuhr (losschrieb), wußte ich schon in etwa, wo ich hinwollte, aber ich wußte nicht, was ich alles auf der fahrt erleben und sehen würde. der entwurf war bereits auf dem papier, der landkarte, aber ich mußte mir jeden meter weges (jede zeile, jedes wort) erkämpfen.
man gönnt mir hoffentlich das bier in den pausen (zeilenumbrüche, absätze).

die reise war gut komponiert. vielleicht zwischendurch zu hektisch, zu "fahrig". am ende konnte ich den kreis schließen.

gruß
bon.
bonanzaMARGOT - 15.07.2008 14:13

wahrscheinlich

schreibe ich deswegen am liebsten "prosagedichte" oder "lyrische prosa", weil ich einerseits etwas zu erzählen habe, etwas zu verdichten habe, ohne gleich alles lyrisch zu verquasten - oder: lyrisch zu verschlicken.
eigentlich schreibe ich epik. aber ich werde den teufel tun, mich gattungsspezifisch festzulegen. dazu kenne ich mich zu wenig aus in den literaturwissenschaften.

meistens ist der mensch geneigt, den dingen eine definition und eine feste begriffsmasse überzustülpen. dagegen wehre ich mich. gerade in kunst und literatur sollte man sich die wege kreativer präsentation möglichst offen lassen. wir leben hinreichlich in einer zurechtgestutzten und regelübefrachteten gesellschaftlichen atmosphäre.
mir stößt immer wieder bitter auf, wie in sogenannten literaturforen von ein paar wenigen die künstlerische freiheit nach gutdünken beschnitten und mit administrativer gewalt gegängelt wird.
es ist eine schande! und für die kunst und alle offenen, kreativen geister zudem eine schmach!

ich betrachte alle meine werke, die ich wie dieses mit zeilenumbrüchen komponiere, als gedichte.
mal überwiegen lyrische, mal erzählende anteile.
man kann meine gedichte getrost der lyrik zuordnen, ohne sich dabei einen abzubrechen. einer kurzprosa gebe ich eine andere form.
dies wollte ich nur erklärend nachschieben, auch weil ich mit einigen dieser forendünkelmeister noch rechnungen offen habe.

es geht mir hierbei nicht um rechthaberei ... sondern um das tolerante nebeneinander unterschiedlichster literatur- und kunstgeschmäcker. es ist grauenvoll, dass von vielen "literaturforen" nach wie vor selbstgerecht zensur ausgeübt wird!
man fördert damit eine regressive kultur des schreibens auf einem an sich anarchistischen boden des internets, der so viel mehr ermöglichen könnte.

ich werde mein schreiben weiterentwickeln, solange ich schreibe. ebenso werde ich als mensch nie wirklich fertig sein. das leben ist leider viel zu kurz.
und nie werde ich müde werden, den menschen, die glauben, sie seien fertig mit dem leben, sie seien im besitz der wahrheit, der kunst etc., entgegenzuhalten, wie engstirnig und kleingeistig ihre haltung ist. ja, ich werde ihnen sagen, wie sehr sie einem positiven menschenbild schaden. auch in meinen gedichten werde ich sie, die kleinbürger und spießer, immer wieder anklagen oder ironisch verballhornen.
es gibt genug stoff, und es gibt leider genügend ärgernisse ...
am schlimmsten sind spießer, wenn sie etwas macht in händen halten.

genug nun.
mir lag es auf der seele, etwas dampf abzulassen.
sagt mir ruhig, wenn ihr es anders seht. vielleicht ließ ich einige wichtige aspekte außer acht.

sind meine prosagedichte nun lyrik oder nicht?

gruß
bon.
rinpotsche - 15.07.2008 20:57

Ich habe ganz sicher den Text zum Aufhänger gemacht, um mich zu unterhalten, ohne dass ich seine Form würdigte. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass er in gelesener Form eine völlig andere Wirkung hätte. So lese ich ihn mit dem Zeilenumbruch, der die Betonung untermalt, aber nicht als ausgesprochen lyrischen Text. Da mein Beruf in der darstellenden Kunst liegt, musste ich mich schon längst auf eine Ansichtsweise kaprizieren, die sich letzlich auf gefallen und nicht-gefallen reduziert. Ich mag deine Texte bis zum Ende lesen und mir meine Gedanken dazu machen. Allerdings mag ich nicht, mich für meine Gedanken erklären zu müssen, weil sie aus einer Lust des Lesens heraus entstehen. Nicht, weil ich der Meinung wäre, ich hätte es hier mit Lyrik oder Prosa oder sonst einer Klassifizierung zu tun.
Eben so, wie wenn man vor dem einen Bild stehen bleibt und an dem anderen vorbeigeht. Entscheidend für mich ist, ob etwas losgetreten wird oder nicht.
lylo - 16.07.2008 12:19

ich bin ja wohl

nicht angesprochen. oder doch?
ja, doch. einfach aufgefordert, meine meinung hier ebenfalls kundzutun.

ich habe ein etwas schlichtes gemüt und kenne mich so gut wie gar nicht aus in den literaturwissenschaften. und könnte gar nicht unterscheiden. aber ich würde es sowieso auch nicht tun. weil gedichte für mich etwas sind, das wie musik gefühl vermitteln kann und deshalb soll. es gibt nicht vieles, das dies so direkt schafft. deshalb sollte man in meinen augen gedichte nicht vergewaltigen und zu literarischen hirnprodukten umstilisieren.

für mich ist ein text ein gedicht, wenn er klingt, wie ein gedicht. in meinen ohren und vor allem in meinem bauch!
aber für mich sind auch situationen gedichte, die oft ohne worte bleiben müssen, weil es gar nicht möglich ist, sie in worte zu fassen. und wenn dann ein text diese erinnerung heraufholt, dann ist es für mich eine sternstunde.

und hier war ich mit dir auf deiner reise ...
ich fühle, wo du warst, ich fühle, wie es dir dabei ging, wie du deine tage verbrachtest. ich brauche keine beschreibung der kirchturmspitzen ....
na, wenn das kein gedicht ist.
ich verwende lediglich den begriff lyrische prosa als unterscheidung zum strengen versmaß.

und zu deiner frage:
deine texte sind allesamt lyrisch! für mich ...
ob sie deshalb lyrik sind? das wäre schon wieder katalogisieren-wollen ;-)
bonanzaMARGOT - 20.07.2008 10:43

ich sprach niemanden von euch direkt an,

manchmal kommt mir meine foren-vergangenheit wieder hoch, wo meine gedichte oft als unlyrisch bezeichnet wurden.
das ging so weit, dass sie kurzerhand zur prosa verschoben oder gar in die textklinik verbannt wurden. noch heute ärgere ich mich manchmal über die arroganz und ignoranz dieser leute, die sich zu "schreiblehrern" und literaturkennern aufspielen.
ich weiß, dass es dumm von mir ist, mich zu ärgern. darüber freuen sich diese gehässigen menschen noch. aber, wie ich schon sagte, manchmal kommt es mir hoch ...

danke für eure erläuterungen/sichtweisen, rinpotsche, lylo.
ein gedicht ist nicht nur eine frage der form. ein gedicht ist wie ein inneres lied, ein kunstwerk eben, das etwas in einem zum schwingen bringt, das gedanken und gefühle auslöst.

gruß
bon.

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