Im Dunkellicht (Meist Sonntage)




Es gibt Tage
da sitze ich wie gelähmt
in meiner kleinen Wohnung
schaue durch die Fenster
vor meine Tür
und in die virtuelle Bilderwelt
es sind die Tage, an denen ich sterbe
in einer unerklärlichen Einsamkeit und Angst
meine Träume sehe ich noch
hinter den Wolken fern
aber ich sitze hier
wie festgenagelt
wie eine Fabrik, die stillgelegt, langsam
zerfällt
wie ein Segelschiff bei Flaute
die Planken knarren
und die Mannschaft besäuft sich unter Deck
sie saufen still
einige murmeln vor sich hin

Es gibt Tage, an denen sich in mir
nichts bewegt
wie festgefroren
selbst meine Gedanken und Gefühle
dass mich schaudert
ich bewege mich träge
wie unter einer unsichtbaren Last
unsichtbare Kräfte halten mich gefangen
nehmen mir langsam
das Leben
zwischen meine Träume und mir
schieben sich unsichtbare
Wände

Es gibt Tage
an denen fühle ich mich wie auf
einem Geisterschiff
zweifle
an meiner Lebendigkeit
ob überhaupt etwas lebendig ist?
noch höre ich auf die Stimme meines Verstands
die beruhigend zu mir spricht
wie eine Mutter zum kranken Kind
wie die liebe Erde
zu den Pflanzen, die das Licht suchen
ich würde so gern aufwachen
aufstehen und hinauslaufen
doch mir ist, als wäre das Leben ein böser Traum
und nur der Tod ein
Erwachen daraus

Es gibt Tage, die sind Sumpflöcher
(meist Sonntage)
aus denen ich mich nicht selbst hochziehen kann
sie schlucken mich nicht ganz
da sind noch mein Kopf
meine Stimme
oder besser ihr Murmeln
meine Augen
...
und Worte schreibe ich
wie von Geisterhand





20.07.08

rinpotsche - 20.07.2008 15:56

Huch

So ein schönes Gedicht mit einem Inhalt, bei dem ich am liebsten nach deiner Adresse fragen möchte!

bonanzaMARGOT - 20.07.2008 16:00

danke

mir gehts leider grade gar nicht so schön. ich blase trübsal. mein urlaub ist rum, und ich fühle mich wie meine oma ... die bereits eine weile unter der erde liegt.
rinpotsche - 20.07.2008 16:13

Über der Erde

Ich kann jetzt nicht umhin zu fragen, woher Du weißt, wie sich Deine Oma unter der Erde fühlt.
Und was betrübsalt Dich?
Wenn Du Dir den Himmel anschaust, der sich in keinster Weise an die Konventionen des Sommers hält, aber trotzdem das Grünzeug so wachsen lässt, als wär nichts gewesen, könnte doch ein wenig Genuss aufkommen?
bonanzaMARGOT - 20.07.2008 16:35

sagt man halt so ...

ich wollte die ruhe meiner oma nicht stören - obwohl ich damit schon so ein gefühl "des sich begraben, beerdigt fühlen" meine - auch in dem gedicht transportiere ... und auch "das sich alt fühlen" - unbeweglich, schwach ...

du hast recht, es ist mies, wenn ich mich von einer solchen stimmung herunter drücken lasse ... ein wenig wehrte ich mich bereits dagegen: ich war duschen.

das grünzeug wächst jedes jahr neu. ich schätze, mein leben gehorcht anderen jahreszeiten.

noch ein schluck wein, und ich fühle mich fast wie neu.
rinpotsche - 20.07.2008 19:45

Duschen? Wozu?
Im Wasser ficken die Fische, weißt Du noch?
Oh, ich bin heute ratschlägig unterwegs, weil ich ein Meeting mit der Weisheit hatte--sorry.
Um einen Break zu haben, geh ich lieber im Regen spazieren, weil da kein Fisch drin war, nur Wolkenpisse.
bonanzaMARGOT - 21.07.2008 12:24

in meinem duschkopf

ficken keine fische. ausserdem schrecken mich fickende fische keineswegs von einem wasserbad ab. ich bin ja auch an der luft, obwohl dort vögel vögeln.
im regen spazieren finde ich auch ab und an geil. hier bei uns regnet es so oft, dass ich `ne ziemliche auswahl habe. manchmal erwischt mich auch ein regen, wenn ich gar nicht scharf auf wolkenpisse bin.
aber na ja, so ist das leben.
solange es nicht hunde und katzen regnet ...
Meral (anonym) - 22.07.2008 20:29

Meine Sonntage sind auch ähnlich. Du hast gut zu Worte gebracht.

Lieben Gruss dir.

bonanzaMARGOT - 23.07.2008 18:37

manchmal gibts tage,

die sind noch schlimmer als sonntage.

danke meral.

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