Es bleibt immer etwas draußen




In 16 Tagen 12
Nächte
Der kalte Wind biss ins Gesicht
die Talstraße hinab
Ist es möglich, dass ich wie die Alten werde?
Der Rollladen am Kiosk war noch
unten
also nahm ich die nächste Straßenbahn
Meine Handrücken juckten
wahrscheinlich ein Ekzem vom Desinfektionsmittel
scharfes Zeug
Dann seit Wochen die Kälte, die die Haut
austrocknete
Die Greisin war hellwach in der Nacht
sie sagte: Es tut mir leid, dass
Sie immer alleine sind
wie kam sie nur darauf?
Im Bahnhof kaufte ich mir eine Flasche
Wodkalemon
und einen Prosecco
mein Frisör öffnete erst in einer halben Stunde
Ist es möglich, dass ich irgendwann
wie die Alten werde?
dieser Gedanke ging mir seit Tagen
nicht aus dem Kopf
Der türkische Chef, Suleiman, winkte mich herein
mit einer Angestellten versuchte er
das Computerprogramm für
die Kasse zum Laufen zu bringen
ich wartete geduldig
wie immer? fragte er mich
Die Alten rückten mit den Jahren immer näher
ich wollte mich dagegen sträuben, wie sie
zu werden
wie war es überhaupt möglich, so zu werden?
Nach dem Frisör musste ich immer noch
Zeit überbrücken, bis die Geschäfte
in der Stadt
aufmachen würden
mir fiel das "Sunset" ein
der Besitzer war noch am Putzen
wenn es dir nichts ausmacht, sagte er
ich wollte nur irgendwo im Warmen sitzen
es lief Faschingsmusik
Helmut, der Besitzer, kam aus Köln
wir redeten über Verschwörungstheorien
Die Müdigkeit wurde immer schwerer
wie alt war ich?
wie alt war ich geworden?
Nein, ich glaube nicht, dass die CIA hinter dem 11. September
steckt, sagte ich zu Helmut

Der Tag war hell, kalt und nass
wie in Trance holte ich meine Schuhe ab, die ich Anfang der Woche
zum Besohlen abgegeben hatte
ich trenne mich ungern von gewohnten Dingen
Noch eine Nacht, dachte ich auf
dem Heimweg
und lobte mich selbst
ich hatte an diesem Morgen eine
ganze Menge erledigt





(22.02.2009)

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