Mit dem Lächeln der Mona Lisa auf dem Abstellgleis
Der Frühdienst haute voll rein.
Das Altenheim lebte, und wir waren der Zement.
Ich lief an der Decke entlang und
trank die Tränen einer Frau, die jeden Tag ihren
gelähmten Mann besuchte.
Sie sei so dankbar, dass es uns gibt,
sagte sie.
Der Feierabend kam wie ein grauer Hosenanzug,
der juckte.
Es gab kein Unten und kein Oben.
Meine Ohren rauschten.
Ich fuhr ins Dorf, wo tausende Menschen
die Straßen säumten
und stellte mir vor, sie würden mir zujubeln ...,
dabei warteten sie auf den Festzug des Mathaisemarkts.
Dieser Planet war ein Imitat.
Wir saßen in einem Bus, der um die Sonne jagte.
Ich begab mich an die Bar des "Sportpub" und blickte
wie durch eine Aquariumscheibe auf
das Geschehen.
Seit fünf Uhr morgens war ich auf den Beinen.
Worauf wartete ich eigentlich?
Mit großem Tamtam dröhnte der Festzug in
den Gastraum, während ich mich mit dem Barkeeper
über, ich weiß nicht mehr, unterhielt.
Es ging um die großen Probleme der Menschheit.
Er trug eine Piratenhaube und Ohrringe
und sagte, er sei Künstler.
Für seine Tochter hatte er die Mona Lisa gemalt.
Unverkäuflich.
Neben mir nahm ein junger Busfahrer
Platz.
Busfahrer haben auch ihre Probleme.
Das Bier wirkte.
Die Menschen strömten an mir vorbei, lachend
und angetrunken,
scherzend.
Die Talsperren ihrer Seelen hatten "Tag der offenen Tür".
"Ich bin der Hans! Ich bin der
Heizungsbaumessias", lallte ein älterer Herr und
umarmte mich.
Ein anderer schimpfte darüber, dass man ihm im
"Deutschen Hof" seinen Stetson klaute.
Die Piratenhaube erklärte mir, dass ein Stetson
ein Hut sei.
Die Welt um mich herum löste sich in ihre
Bestandteile auf.
Es ergab keinen Sinn.
Schließlich riss ich mich los.
Die Luft draußen schmeckte nach Bratwurst,
Nässe und Leere.
(09.03.09)
bonanzaMARGOT - 09.03.2009 14:08





















