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Nicht haben


...
schreien, rennen, fallen, aufstehen, lachen, weinen, geben, nehmen, schauen
die Augen schließen
für das Glück eine Träne vergießen
in mir, in dir, vorbei, nachher, vorher, gestern, morgen, ohne Sorgen
es wäre zu schön gewesen
hin zu kommen an das sphärische Wesen (von)
Schein, Sein, Glück, Wahrheit, Droge, Gelogen, Gesucht
das Letzte nie gefunden
bis heute nicht das Glück verwunden
einfach da zu sein, die Wolken sehen, in die Sonne blinzeln, (Gott in den Arsch treten)
zu lieben, wie es ist
oft den Glanz verloren, versunken im Trist
wegsehen, hinsehen, leugnen, über Bord springen, fluchen ... haben
nicht haben

Es war Fünfundzwanziguhrdreißig. Ich sang, obwohl ich nicht singen konnte. Der Tag lief weiter. Ich sonnte mich unter einer Bierdose. Mein Herz lag im Gras und lachte. Die Luft schwitzte wie Sau. Es war Sommerzeit. Es war Sommerzeit. Vor meiner Nase stritten sich zwei Grashüpfer, blaue Grashüpfer.
Sie philosophierten über den kategorischen Imperativ. Ich wollte schlafen, aber es ging nicht. Der Tag lief einfach weiter. Mein Gesang war mehr ein Brummen. Die Erinnerungen wollten einzeln herein, und ich versuchte sie wegzubrummen. Es gab zu viele Fragen, die am Erinnern hingen.
Wenn ich einschliefe, könnte ich aufwachen.
Aufwachen.
Ohne Anfang Aufwachen. Ohne eine Zeit. Einfach treiben und brummen.

Brummen.



(17.03.09)

LadylikeKandis - 17.03.2009 17:34

weisst du was? ich kann gerade heute diesen text sowas von nachvollziehen!

ja.

bonanzaMARGOT - 17.03.2009 18:41

ja.
und woran machst du dieses gefühl fest?
LadylikeKandis - 17.03.2009 19:40

"in mir, in dir, vorbei, nachher, vorher, gestern, morgen, ohne Sorgen
es wäre zu schön gewesen"

"zu lieben, wie es ist
oft den Glanz verloren, versunken im Trist
wegsehen, hinsehen, leugnen, über Bord springen, fluchen ... haben
nicht haben"

daran...weil ich beim lesen dieser zeilen eben gefühlt hab..
bonanzaMARGOT - 17.03.2009 19:46

Danke.
Nante - 17.03.2009 20:04

hallo, bon

dieser Text ist sehr dicht ...
gefällt mir ..
fängt in expressionistischer Manier das gesamte Leben ein ...

Grüßchen
Nante

bonanzaMARGOT - 17.03.2009 20:45

Es ist fein, wenn der Text unterschiedlichen Menschen eine Deutung gibt.
Danke, Nante.
Nante - 17.03.2009 22:07

ise sich - villeicht - nicht fein,

sondern Kunst ...

bonanzaMARGOT - 17.03.2009 22:38

kunst, welch hehres wort.
ich mache kunst. ich mache kunst für mich und meine umgebung. aber ist es dann auch kunst für die vielen vielen anderen?
ich finde es, wie ich es sagte, bereits fein, wenn unterschiedliche menschen auf meine gedichte reagieren - nicht so sehr im negativen spektrum, sondern weil ich eine saite bei ihnen zum schwingen brachte.
kunst?`vielleicht kunst.
liebe? vielleicht liebe.
ehrlich? vielleicht.
gut?
gut.

bon.
Nante - 17.03.2009 22:48

Brumm weiter, mein virtueller FREUND

ich denke, jeder, der/ jede, die schreibt, schreibt zunächst für sich selbst ... wenn das Geschriebene aber dann viele "Ohren und Augen" erreicht, die alle ihre Erfahrungen im Geschriebenen wiederfinden , dann erfüllt das Geschriebene einen gesellschaftlichn Zweck ... selbst, wenn das nicht in der Absicht des Schreibers/ der Schreiberin lag.
mir gefällt Dein Text ---ich kann mich in ihm wiederfinden ...
und das macht doch wohl den Reiz der fiktionalen "Schreibe" aus,oder?

bonanzaMARGOT - 17.03.2009 22:55

was glaubst du, warum ich blogge?
warum schrieb ich jahrelang in einem forum wie der leselupe?
warum schreibe ich überhaupt?
wann fing ich damit an?
ich begann zu schreiben, ohne irgendeinen ehrgeiz, der von außen schulicherweise bedingt war. ich begann mit der kunst wie mit dem "mich selbst denken".
es kam von selbst wie die sexualität, wie die barthaare und wie das biertrinken.

mein schreiben hier ist fiktional - ich bin aber wirklich, und die menschen, die mich lesen, sind hoffentlich auch wirklich.
FrannyGlass - 18.03.2009 17:46

ja das aufwachen, herrje wenn man das sein lassen könnte, aufzuwachen...

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