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W.f.i.e.n.a.i.d.A.




Schon die Sprache ist moralisch
und mit der Sprache sind es die Gedanken
und mit den Gedanken
werden es deine Gefühle
oder zäume das Pferd andersherum auf
Die Moral hat ihren Anfang im Spiegel
Der Spiegel liegt im Wasser
In den Augen
In den Augen der Haut
Die Gefühle treffen sich im Focus
in einer Raucherecke
"Hallo!" sagt einer und schnippt die Asche seiner Zigarette sorglos auf den Boden
"Hey?! Macht man das?" wirft ein anderer ein
"Es gibt Schlimmeres, oder nicht?" konstatiert ein dritter
"Was willst du denn?!" kriegt dieser zur Antwort
von beiden

Hör mir doch auf mit Moral!
Der Mensch ist ein Verstandesaffe und produziert Monster
und Heilige
und eine Herde dummer Lämmer
Der Mensch schaukelt sich so durch die Geschichte
mit Gott und Teufel
Kant versucht die menscheneigene Vernunft wach zu rufen
somit der Mensch von sich aus Gutes leiste
Gut gedacht, wie ich finde
aber Kant macht die Rechnung ohne den Wirt

Die Idioten stehen immer noch in der Raucherecke
"Hast du die Tussi gesehen?"
"Ja, geiler Arsch!"
"Wieso reduziert ihr die Frau immer auf Arsch und Titten?!"
"Halt doch endlich mal die Klappe!"
"Ach, schon wieder dieser Moralfuzzi! Willste mal richtig auf die Fresse?!"
"Hey, ich wollte nur mal etwas einwenden ..."
"Auf Klugscheißer wie dich scheißen wir!!"

Der Moralist trollt sich
Er könnte sich eine Kugel in den Kopf jagen
oder er könnte auf Jesus scheißen
oder auf Buddha
und auf all die anderen

Aber er geht zur Tante Kaffee trinken




(01.10.09)

SehnsuchtistmeineFarbe - 02.10.2009 10:56

das hast du fein

gemacht. :-)

bonanzaMARGOT - 02.10.2009 16:39

hi sehnsucht. danke für die rückmeldung.
Helmut Maier - 02.10.2009 16:51

Sehr amüsant -vor allem durch den Abschluss mit der letzten Zeile.
Aber auch sehr zum Nachdenken anregend: Beschreibung von Situationen mit wenigen Worten und die poetische Grundstimmung, in der Reflexion angeregt wird - das gefällt mir sehr.

Ich füge noch an, was ich an anderer Stelle schon geschrieben habe (Deine Erklärung, wie Du Prosa-Lyrik siehst):

Ich habe Deinen Text sehr aufmerksam gelesen,
die Kommentare nicht - das war mir einfach zu viel. Womit wir schon in media res sind: Prosa ist mir oft zu lange, zu viel.
Diesen Stil der Prosa-Lyrik finde ich sehr interessant, ja spannend.
Das Poetische bzw. Lyrische kommt tatsächlich rüber, finde ich. Ein kleines bisschen von diesem Stil blitzt bei Elizabeth Alexander durch. Das scheint in Amerika nicht so elitär kategorienmäßig betrachtet zu werden wie in Deutschland.
Ich glaube, dass das, was ich in meiner "Theorie der Lyrik" ( http://www.maierlyrik.de/blog/theorie-der-lyrik/ ) gefordert habe, sich auch und vielleicht weit mehr als in der herkömmlichen Lyrik in Deiner Prosa-Lyrik findet.

Liebe Grüße
Helmut

bonanzaMARGOT - 02.10.2009 18:05

hallo helmut, mich interessiert sehr, wie der mensch als moralisches wesen auftritt - die oft bedingte doppelbödigkeit und die einhergehenden widersprüche ...
dabei ist man sich selbst das beste studienobjekt.
Helmut Maier - 02.10.2009 16:55

Nachtrag: W.f.i.e.n.a.i.d.A. konnte ich nicht entziffern. Bei Rätseln bin ich manchmal etwas begriffsstutzig. :-)

bonanzaMARGOT - 02.10.2009 18:01

ich kürzte den titel ab, weil er mir (im nachhinein) zu ordinär erschien. er sollte den leser nicht vor den kopf schlagen.
leser sind mitunter empfindsame geschöpfe ...
SehnsuchtistmeineFarbe - 02.10.2009 18:21

ich hab ihn gelesen,

ich hab ihn gelesen - und musste grinsen. :-)
sehr ordinär, ja ja. :-)

bonanzaMARGOT - 02.10.2009 18:43

er kam über mich als wutgesäusel.
er kam aus den eingeweiden ...
SehnsuchtistmeineFarbe - 02.10.2009 18:48

ja, das war auch

meine vermutung. :-) ich dachte: so macht bon es,
wenn er wütend ist. besser, als es in sich hineinzu-
fressen. die abkürzung zu wählen, war eine gute
idee. :-)
bonanzaMARGOT - 02.10.2009 19:12

pragmatisch, würde ich sagen.

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