quasimodo (teil 1)




wir schreiben das jahr 10010 auf dem planeten quasimodo. die bewohner, nämlich die quasimodaner, bevölkern ihre heimatkugel seit urzeiten. sie beherrschen alles – auch die drehachse. aber das kümmert sie nicht. die quasimodaner stehen am ende der evolutionskette. die natürliche auslese hat ihre schuldigkeit getan oder: „les jeux sont faites“ oder:„nichts geht mehr“. die quasimodaner sind unsterblich. ich möchte dich nicht mit den alltäglichen verrichtungen dieser „endrasse“ langweilen. sie unterscheiden sich im allgemeinen nicht von denen sterblicher. ficken, fressen, furzen. da die „endrasse“ unfruchtbar ist, wandelte sich der sexualtrieb zum lustvollen volkssport. höchstleistungen werden auf wettkämpfen geboten. ausdauer und akrobatik arsch an arsch.
die quasimodaner sterben peu a peu aus. dass sie noch unendlich viele sind, verdanken sie einer riesigen bevölkerungsexplosion in früheren zeiten.
obwohl kein krieg, keine naturkatastrophen, hungersnöte und seuchen irgendwelcher art auf quasimodo des jahres 10010 passieren, schon lange nicht mehr passieren, nimmt die bevölkerung kontinuierlich und offen – sichtlich ab.
das schlagwort in dieser angelegenheit heißt „keule“.
„keule“ ist die spielerisch-sportliche fortentwicklung aggressionsgeladener auseinandersetzungen wie zb: mord und totschlag, krieg und folter etc.. die evolution brachte die „mordgeschichte“ auf den punkt. das sportspiel oder für sterbliche meinetwegen das „mordspiel“?
seit die quasimodaner unsterblich sind, gehen sie sehr cool mit dem ableben um. aber das verstehen nur unsterbliche. will sagen: der gemeine quasimodaner scheißt auf sein leben – hauptsache: „keule“!
und nicht zu vergessen: rödel, rödel – hechel, hechel.

die unsterblichen tragen einen roten punkt mitten auf ihrer hohen stirn. dieser pigmentfleck ist überhaupt das erkennungszeichen aller unsterblichen. sportliche aufgabe eines jeden quasimodaners stellt nun dar, mit einer art baseballschlägers gezielt und möglichst unerwartet einen vorbeilaufenden mit einem schlag auf den punkt niederzustrecken.
wumms!
so sammeln die quasimodaner punkte. gleichbedeutend für sterbliche heißt das: mehr asche und größeres ansehen. die quasimodaner gehen nicht schuften, sie spielen „keule“ und ansonsten: rödel, rödel – hechel, hechel. hierbei übrigens strengstes keuleverbot! die sportlichen disziplinen dürfen nicht vermischt werden. das gibt punktabzug. so gesehen leben jene quasimodaner am ungefährlichsten, welche sich ausschließlich genannter lustvollen betätigung widmen. allerdings fehlt es ihnen dann am nötigen punktekonto, um ihr auskommen zu sichern.
im jahre 10010 auf quasimodo waren gerade 20 punkte pro monat die norm. was darunter lag, galt als sozialfall: die parias unter den unsterblichen.

da nicht jeder schlag totsicher landete, entstand auch bei den unsterblichen eine wachsende anzahl von pflegefällen. diese mussten von dem einzig verbliebenen berufsstand, den ehemals kranken- und altenpflegekräften, versorgt und betreut werden. selbstredend verbietet sich in der pflegezone der einsatz der „keule“. die paradoxität zwischen selbstzerstörerischem handeln und fürsorge zum anderen bis hin zum altruismus zeichnet eindeutig jedwede gesellschaft aus, welche sich evolutionär zur letztendlichen organisationsstufe entwickelt. diese organisationsstufe nenne ich „end- und neuanfangszeit“
des biologischen evolutionskreislaufes.
die drei großen säulen der quasimodanischen gesellschaft heißen also: sex, keule und pflege.
(pflegekräfte bekamen auf ihrem konto punkte gutgeschrieben. damit war es natürlich gegeben, dass die feinfühligeren quasimodaner diese arbeit ausführten.)

ich möchte nun zur demographischen entwicklung der quasimodanischen bevölkerung kommen – ab dem jahre 10010. nach den 3 betätigungsfeldern lassen sich die quasimodaner wie folgt gliedern in: die parias oder auch sexbessenen, die unsterblichen pflegefälle, die pfleger und pflegerinnen und die keulebesessenen. der anteil der pflegefälle nahm ständig zu, die anzahl der keulebesessenen mit der zeit stark ab, die parias blieben sich fast gleich, und die pfleger und pflegerinnen schwankten eklatant. die quasimodanische bevölkerung halbierte sich alle 10000 jahre, bis sich der anteil der keulebesessenen auf einen verschwindend geringen sockelwert einpendelte.

wir schreiben das jahr 1zig0en und 10 auf dem planeten quasimodo.
durch die unzählig entstandenen pflegefälle herrscht akuter pflegenotstand. sie sterben nun wie die fliegen. die parias sind zahlenmäßig ungeheuer überlegen. die pflegekräfte sind ungeheuer frustriert. viele geben sich selbst die „keule“. c`est la vie, sage ich da.
die endzeit der endzeit auf quasimodo ist angebrochen - die neuanfangszeit.
man erzählt sich , dass auf einer einsamen, vergessenen südseeinsel ein volk oder vielmehr ein wilder stamm lebt, welcher als symbol seiner gottheit eine riesige aus stein gehauene keule anbetet. ansonsten sind die straßen von keulen wie leergefegt. im eigenst errichteten keulemuseum stehen die aussterbenden, unsterblichen quasimodaner blöde herum vor den ausstellungsstücken ihrer vergangenheit.
„was für einen sinn macht unser dasein noch?“ fragen sie sich einander, gehen nach hause und ficken sich zu tode.




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